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Tante Steffi Tante Steffi is a female
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Nomen est Omen



AutorChris

VeröffentlichtDezember 2004

InhaltChris x 2 = ? Liebe...? Oder doch eher totales Chaos...?

Kommentar/

DisclaimerDie Rechte an den Original-Charakteren der Serie Nip/Tuck liegen bei FX Networks (http://www.fxnetworks.com). Die Rechte an allen weiteren Charakteren sowie der aktuellen Storyline liegen bei mir. Ich hege mit dieser Serie keinerlei kommerzielle Absichten, sie dient allein dem Vergnügen der Fans.

Kapitel14 - weitere in Arbeit

AltersbegrenzungAb 16



Diese Story unterliegt der Alterseinschränkung von 16 Jahren


Die folgende Geschichte enthält möglicherweise Inhalte (Sex, Gewalt, ungehörige Sprache), die für Kinder und Jugendliche unter 16 nicht angemessen sind.


Mit dem Herunterscrollen auf dieser Seite, erklären Sie, dass Sie das 16. Lebensjahr vollendet und den oben genannten Umstand zur Kenntnis genommen haben.

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Kapitel 1


Praxis McNamara/Troy, 10:03 Uhr...


Nervös kaue ich auf meiner Unterlippe und sehe mich noch einmal in dem kleinen Wartezimmer um. Das hier soll eine Praxis für plastische Chirurgie sein? Was machen dann all diese schönen, makellosen Menschen hier? Was wollen die? Ein neues Ohrläppchen? Oder ist ihnen eingefallen, daß sie, passend zu ihrem perfekten Äußeren, auch noch ein bißchen Verstand eingepflanzt bekommen sollten?


Nein, das ist gemein, so zu denken. Mir sieht man meine Makel ja auch nicht unbedingt auf den ersten Blick an. Und soo perfekt sind die ja auch gar nicht alle. Die blonde Frau da drüben, in dem engen Kostüm...sie hat eine ziemliche Adlernase...und dem dunkelhäutigen Mann schräg gegenüber läuft eine lange Narbe quer über die linke Wange.


Aber da sind auch noch die anderen... weiblich, blond gefärbt, total overdressed, schlank und mit Brüsten in Doppel-D und größer, viel größer.


Ich verstehe nicht, wie man so übertreiben kann. Ein schönes, verführerisches Dekolleté, das zum Rest des Körpers paßt...okay...aber das? Die müssten schon mindestens hundertfünfzig Kilo wiegen, damit da die Proportionen wieder stimmen.


Und mal ehrlich, das sieht doch ein Blinder mit nem Krückstock, daß die nicht echt sind. Riesige, kugelrunde Brüste, so prall wie bis zum Anschlag aufgeblasene Ballons –was, bitte schön, ist denn daran noch natürlich? Und was in aller Welt finden die Männer nur sexy daran? Das einzige Verlangen, was mich dabei überkommt, ist, mit einer Stecknadel hineinzupieksen –nur um zu sehen, ob dann die Luft rausgeht...pfffft...


Ich muß die Frau der Gattung „Partyluder“ mir gegenüber wohl ein wenig ZU offensichtlich anstarren, denn sie funkelt mich aus schmalen Augen an und setzt ein giftiges Lächeln auf.


Schnell verkrieche ich mich wieder hinter meiner Zeitschrift und tue so, als würde meine Lektüre mich brennend interessieren. „Zehn Wege, wie Ihr nächster Sex zu einem unvergesslichen Erlebnis wird...“. Wenn ich die befolge, wird er tatsächlich unvergesslich...zumindest der „mörderische Muskelkater danach“. Spinnen die? Ich bin doch nicht aus Gummi! Naja...


Geistesabwesend blättere ich durch die Modeseiten, bis meine Augen an den Bademoden hängenbleiben. Bikinis in allen Formen und Farben...wie gerne würde ich nur einen davon anziehen können... Völlig unmöglich! Da könnte ich mir auch genauso gut gleich ein „Bitte angewidert glotzen!“-Schild um den Hals hängen.





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Nein, ich bin nicht dick...nicht mehr! Gut eineinhalb Jahre habe ich damit verbracht, aus einem Elefanten eine Gazelle zu machen. Und ich könnte jedesmal in den Fernseher springen, wenn mal wieder eine dieser Talkshows läuft, in denen Menschen auftreten, die es auch „geschafft“ haben. Die scheinen alle einen Knopf oder einen Schalter im Kopf zu haben, den sie einfach nur drücken oder umlegen müssen. Meinetwegen auch eine Strippe zum Ziehen. Jedenfalls läuft es immer wieder auf einen Satz hinaus: „Es hat in meinem Kopf ‚Klick‘ gemacht und dann ging alles beinahe wie von selbst. Abnehmen ist eigentlich ganz einfach, man muß es nur wollen.“ Klingt herrlich, nicht wahr? Pah! Lüge, Lüge, Lüge!!! Man sollte die verklagen, wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen!


Nein, Abnehmen ist Blut, Schweiß und Tränen! Vor allem Schweiß und ganz besonders TRÄNEN! Natürlich, am Anfang ist es toll! Man fühlt sich stark, entschlossen und glaubt, man könnte ewig so weitermachen...ungefähr drei Tage lang. Dann fängt man plötzlich an, sich nach den Menschen auf der Straße umzudrehen...aber nicht etwa, weil sie besonders attraktiv, besonders schrill gekleidet oder in sonst einer Weise auffällig sind, sondern weil sie etwas Essbares dabeihaben. Weitere drei Tage später besteht die Welt nur noch aus Lebensmitteln, die in irgendeiner Hand, auf einem Teller oder in einer Tasche an dir vorbeilaufen! Und irgendwann ist es dann soweit –man riecht sie schon von Weitem! Kein Scherz. Eine Zeitlang habe ich, egal, wo ich war, nicht mehr gedacht: da kommt ein Kunde, ein Kollege, eine Freundin... Sondern: da kommt eine Tüte Pommes, ein Schinkensandwich, ein Stück Torte... Und dann im Fernsehen diese Schokoriegelwerbungen, die ab und zu von einem Spielfilm unterbrochen wurden... Das Knurren meines Magens signalisierte mir auch nicht mehr: du gibst mir nicht genug, also werde ich mich jetzt an deinen Fettreserven bedienen und dich so Stück für Stück von ihnen befreien... Nein, es schrie einfach nur noch: HUNGER!!!


Naja, irgendwie habe ich diese Phase überstanden, nicht zuletzt deshalb, weil meine Zigarettenrate parallel zu meiner Diät sprunghaft angestiegen ist. Auch so ne Sache, die ich mir lieber abgewöhnen sollte...aber das ist eine andere Geschichte. Und ich hatte Erfolg! Nachdem ich ungefähr zwei Wochen lang in Selbstmitleid zerflossen bin, weil ich ja nun schon soo lange dabei war und es einfach nicht vorangehen wollte, fingen die Pfunde plötzlich an, zu purzeln. Und ich war happy!


Jedenfalls bis zu meinen ersten Workouts! Sport ist Mord...wie wahr!! Nach drei oder vier mal habe ich wirklich gedacht: laß es sein, sonst bringt es dich noch um! Besonders, wenn ich mal wieder keuchend und schwitzend auf dem Trainingsfahrrad im Fitneßstudio hing. Nicht selten aber galten meine Mordgedanken weniger mir, als Brian, meinem Trainer. Offensichtlich wußte er aber, wie er sich vor mir schützen konnte. Er „drillte“ mich, bis ich kaum noch geradeaus gucken konnte und nach den Trainingsstunden war ich schlicht zu fertig, um ihn zu erwürgen! Nur in meinen Gedanken...da starb er tausend Tode...langsam und schmerzhaft! Schmerzhaft...das beschreibt ziemlich genau die Art, in der ich die Bekanntschaft einiger Teile meines Körpers machte... Ich hatte ja gar keine Ahnung, wie viele Muskeln es gibt und daß die auch noch alle gleichzeitig wehtun können...!


Naja, aber dann hab ich gemerkt, daß diese Quälerei meinen wöchentlichen Gang auf die Waage erfreulicher machte...sehr viel erfreulicher! Also stürzte ich mich ins Training und –oh Wunder!- nach ein paar Monaten fing es tatsächlich an, mir Spaß zu machen! Ich erwischte mich dabei, wie ich grinsend meine Stunde auf dem Laufband absolvierte, mich grinsend durch sämtliche Kraftgeräte arbeitete und schließlich, immernoch grinsend!, nachhause ging. Und insgeheim freute ich mich sogar auf das nächste Mal...


Tja, so ging das dann weiter, bis ich endlich mein Ziel erreicht habe... Natürlich nicht ohne die üblichen Stimmungsschwankungen (der Lieblingssatz meiner Freunde war: „Entweder jubeln oder jammern. Weißt du eigentlich noch, daß es auch was dazwischen gibt?“), frustrierte Anrufe beim Pizzaservice, mal wieder Selbstmitleid wegen meines „kläglichen Versagens“ und Hurricane-artige Wutausbrüche. Nur ein Beispiel: drei Waagen haben die letzten eineinhalb Jahre nicht überlebt, einfach, weil sie sich weigerten, weniger Gewicht anzuzeigen...


Und endlich hatte ich es vollbracht! Ich fühlte mich so befreit...eine gewaltige Last war von mir abgefallen –und das kann man wörtlich nehmen!


Leider kam ziemlich schnell die Ernüchterung –in Form von wabbeligen, schrumpligen Hautlappen an Oberarmen, Bauch und Oberschenkeln! Da hilft nur eins!, dachte ich, Training, Training, Training! Ja, dachte ich! Hab ich nur leider falsch gedacht!


Zwei Monate und einen dramatischen Komplexe-Anstieg später wollte ich mich schon damit abfinden, daß ich für den Rest meines Lebens häßlich, unglücklich und ohne Bikini-Erfahrung bleiben würde. Aber dann präsentierte mir eine Freundin die Lösung auf dem Silbertablett –pardon, auf der frisch korrigierten Nase! Eine Schönheits-OP...hätte ich irgendwie auch alleine drauf kommen können... Und sie gab mir auch gleich die Nummer von McNamara/Troy...





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Huch, wie die Zeit vergeht...ist ja schon fast halb elf! Gleich hab ich meinen Termin...Gott, bin ich nervös! Ganz ruhig, ist ja nur ein Vorgespräch. Jaja, „nur“! Wenn das jetzt gut läuft, dann...


Plötzlich höre ich, wie jemand das Wartezimmer betritt. Ich schenke der Person keine Beachtung, bin zu beschäftigt, meinen Gedanken von einer Lappen-freien Zukunft nachzuhängen. Schwungvolle Schritte durchqueren den Raum und nehmen Kurs auf mich, aber auch das registriere ich nur am Rande.


„Miss Armani?“, reißt mich eine tiefe, wahnsinnig männliche Stimme aus meinen Tagträumen.


Ich blicke auf. „Ja?“


„Ich bin Dr. Troy.“


Oh, mein Gott!!!



08-09-2005 11:10 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 2


Waaahhh!!! Hilfe!!! Boden, tu dich auf und verschling mich!!!


Das darf doch wohl nicht wahr sein!!!


Wie war das nochmal? Ich wollte hierher kommen und meine häßlichsten Körperteile –meine dunkelsten Seiten- entblößen? Die Stellen, die ich normalerweise mit Hingabe unter allen möglichen (und unmöglichen?) Kleidungsstücken verschwinden lasse und die ich am liebsten auch vor mir selbst verstecken würde.


Nur daß das leider nicht geht. Schließlich muß frau ja täglich Körperpflege betreiben. Und sich nebenbei –auch beinahe täglich- ein bißchen selbst quälen, indem sie sich nackt vor den Spiegel stellt und unter grellem Halogenlicht und unbarmherzigem Blick das „Ich bin so häßlich/widerlich/abstoßend/...(hier kann beliebig jeder abwertende Begriff eingesetzt werden, der frau gerade am geeignetsten erscheint)“-Ritual vollzieht.


Hm, ich wollte das also tatsächlich durchziehen? Ja, absolut...allerdings hatte ich mir mein Gegenüber ein bißchen –Achtung: bodenlose Untertreibung!- anders vorgestellt: so Ende Vierzig bis Anfang Fünfzig, schon langsam schütter werdendes Haar, möglicherweise leichter Hang zu Übergewicht, ernst, mit dieser sachlichen, unglaublich langweiligen Ausstrahlung... So waren nämlich fast alle plastischen Chirurgen, die ich in meinem Leben bisher kennenlernen durfte, auf beruflicher oder privater Ebene und genauso wirkten auch all jene, die in diesen „Mach-mich-schön-dann-mach-ich-mich-vor-der-gesamten-Nation-zum-Affen“-Dokus, die kein Mensch braucht, die aber seit neuestem wie Unkraut aus dem Boden sprießen. Für jeden Sender mindestens eine. Naja...


Ich war also wirklich bereit, das zu tun. Die Betonung liegt auf „war“! Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher –nein, eigentlich würde ich am liebsten weglaufen!! Für einen der gerade erwähnten Typen hätte mein mühsam zusammengekratztes Selbstbewußtsein gerade noch gereicht. A-aber nicht –nicht für...DEN!!!


Verdammt!!! Das ist der bestaussehendste Mann, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe!!! Groß, bestimmt fast 1.90m, steht er da vor mir, mit dunkelbraunen, kurzgeschnittenen Haaren und unglaublich blauen, blitzenden Augen. Feingeschnittene Gesichtszüge, markante Wangenknochen, volle, sinnliche Lippen, dichte dunkle Wimpern,...meine Güte, ich könnte ewig so weitermachen!!!


Er trägt den üblichen blauen Kittel und darunter eine dunkelgraue Stoffhose und ein weinrotes Hemd. Die obersten Knöpfe stehen offen und ich kann ein Stück sonnengebräunte Haut und ein paar kurze, sehr weich aussehende Brusthaare erkennen. Hm, seiner Haltung nach ist sein Körper sicher gut durchtrainiert...mmmh, müßte man mal überprüfen... –meine Güte, jetzt reiß dich mal zusammen! Das ist jetzt echt nicht der Richtige Moment, um an sowas zu denken!


Nein, das ist es wirklich nicht. Auch wenn mir das gerade wie eine halbe Ewigkeit vorkam, in Wirklichkeit sind nur wenige Sekunden vergangen.


Dr. Troy streckt mir die Hand hin.


Ich ergreife sie, während ich aufstehe. „Äh, hallo. Freut mich, Sie kennenzulernen.“ Mann, was für ein Händedruck! Ist ja schon ein Wunder, daß ich überhaupt einen ganzen, vernünftigen Satz rausgebracht habe!


„Ja, mich auch“, lächelt er und entblößt perfekt geformte, strahlend weiße Zähne. Hat er die aus einer Zahnpastawerbung geklaut?


„Kommen Sie, gehen wir ins Besprechungszimmer.“


Während ich ihm folge, kann ich nicht anders, als ihn anzustarren, wie ein hypnotisiertes Karnickel. Diese lässig-elegante Art, wie er sich bewegt, ist einfach faszinierend und sehr, sehr sexy!


Das Besprechungszimmer überrascht mich sehr, ist es doch –wie die gesamte Praxis- eine Augenweide für eine Innenarchitektin und Raumdesignerin wie mich! Moderne Designermöbel, schlichte, klare Linien ohne viel Schnickschnack, unaufdringliche Farben. Blickfang des Raumes ist ein riesiges Aquarium, das sich über die ganze Wand hinter dem Schreibtisch zieht. Und das leuchtend blaue Licht, das von ihm ausgeht, paßt sehr gut zu Dr. Troys Augen...


Ach ja, Dr. Troy!


Er läßt sich in einen der drehbaren Sessel fallen und bedeutet mir mit einer Handbewegung, auf einem der Stühle vor dem Schreibtisch Platz zu nehmen. Ich setze mich vorsichtig hin, irgendwie sind meine Beine seit ein paar Minuten nicht mehr so richtig zurechnungsfähig.


Dr. Troy zieht sich eine Akte –aller Wahrscheinlichkeit nach wohl meine!- heran und sieht sie kurz durch. Dann nimmt er sich einen Stift, sieht mich direkt und lächelt ein umwerfendes Lächeln!


„So, Miss Armani...als erstes: würden Sie mir bitte nochmal Ihren Vornamen sagen? Unsere Sprechstundenhilfe hat wohl vergessen, ihn hier einzutragen.“


„C-Chris-tina.“


Was soll denn das alberne Gestottere? Himmel, du bist 30 Jahre alt!

Oh Mann, dich kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen!


„Christina?“, Dr. Troys blaue Augen weiten sich ein wenig, dann fangen sie an, zu funkeln und sein Lächeln vertieft sich.


„Ja. Wieso?“


Was bitte schön ist an meinem Vornamen denn so lustig? Hm, eigentlich sieht er gar nicht richtig „belustigt“ aus, sondern eher...erstaunt, freudig amüsiert. Und dieser Blick....Gott, dafür braucht er einen Waffenschein!


Wag es ja nicht, jetzt rot zu werden! Das hier ist eine Arztpraxis und keine Singlebar!

Darf ich vorstellen? Mein Gewissen! Moralapostel vom Dienst und allzeit bereit, mir mit nörgelnder Missbilligung auf die Nerven zu gehen!

So denkst du also über mich? Tze, wenn ich dich sowieso nur nerve, kann ich ja auch wieder gehen.

Oh ja, bitte! Außerdem hab ich dir schon hundertmal gesagt, daß du nervst. Das hält dich nie davon ab, es trotzdem zu tun.

Weil du mich brauchst. Jetzt zum Beispiel muß ich dich davon abhalten, dich hier völlig zu blamieren.

Ich mich blamieren? Hast du sie noch alle?

Das hier ist ein seriöses Gespräch und du benimmst dich wie ein verknallter Teenager!

Tu ich nicht! Ich bin die Seriosität in Person!

Pff, d-...


Gott sei Dank hat mein Gewissen keine Gelegenheit, weiterzulamentieren, denn es wird von Dr. Troys Stimme unterbrochen.


„Ich heiße Christian.“


Plumps! Wie war das nochmal mit der „Seriosität in Person“? Die ist gerade vom Stuhl gefallen.


„Geht’s Ihnen nicht gut?“, fragt Dr. Troy.....CHRISTIAN Troy!


„Äh, d-doch, sehr gut. Warum?“


„Weil Sie so gucken.“


„Wie gucke ich denn?“


„Na, so...“ Er reißt die Augen weit auf, zieht die Augenbrauen hoch und starrt mir mit offenem Mund direkt ins Gesicht.


Hm...wie soll ich auch sonst gucken, wenn ich nichtsahnend in eine Praxis für Schönheitschirurgie komme, mein Arzt sich als der umwerfendste Mann der Welt entpuppt und er ganz zufällig auch noch fast denselben Namen hat wie ich?


Aber der Anblick ist so komisch, daß ich zu lachen anfange und meine Anspannung sich ein wenig löst. Wahrscheinlich hat er es genau darauf angelegt.


Dr. Troy grinst schelmisch und zeigt einmal mehr seine perfekten weißen Beißerchen. Er wirft einen Blick auf seine Unterlagen, trägt etwas ein und wendet sich dann wieder mir zu.


„Also, Christina...dann sagen Sie mir mal, was Sie an sich stört.“


Was soll mich stören? Ich kann mich nicht erinnern.....oh Mann, natürlich, deswegen bin ich ja überhaupt hier! Verdammt, wenn der mich weiter so ansieht, mutiere ich noch zum kompletten Idioten!


„Tja, also, wie Sie vielleicht schon wissen, habe ich die letzten eineinhalb Jahre darauf verwendet, nicht mehr wie ein Nilpferd auszusehen. Das hat ja auch geklappt, nur leider ist meine Haut im Nilpferd-Modus stehengeblieben.“


„Sie haben ja auch eine Menge Gewicht verloren. Krass ausgedrückt, Sie haben sich halbiert. Das ist eine außergewöhnliche Leistung.“


„Danke. Die Anzahl meiner Freunde hat sich in der Zeit auch halbiert. Keiner hat’s mehr mit mir ausgehalten.“


Da ist es wieder, dieses schelmische Grinsen! „Kann ich mir gar nicht vorstellen.“


Flirtet der jetzt etwa mit mir? „Dann versuchen Sie’s auch lieber erst gar nicht.“


„Okay...also, was genau sind denn die Problemzonen?“


„Oberarme, Bauch und Oberschenkel.“


„Also das übliche“, murmelt er mehr zu sich selbst und macht sich ein paar Notizen. „Gut. Dann lassen Sie mich mal sehen.“


Oh Gott!!! Da hab ich doch glatt vergessen –oder eher: mit voller Absicht verdrängt-, daß mir dieser Teil des Gesprächs noch bevorsteht!


Komplexalarm von der übelsten Sorte!!! Mein Inneres besteht nur noch aus heulenden Sirenen und roten, wild blinkenden Lämpchen. Ich kann mich vor diesem Mann nicht ausziehen!!! Mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß ich mich seit Jahren vor KEINEM Mann mehr ausgezogen habe...


Oh doch, du wirst jetzt genau das machen! Er ist der Arzt, du die Patientin, also tu was er sagt!

War ja klar, daß du dich jetzt wieder einmischst...Wie kannst du noch so nüchtern bleiben? Hast du ihn dir nicht angeguckt???

Natürlich, aber ich bin nicht so ein Nervenbündel wie du, daß bei jedem hübschen Kerl gleich in Ohnmacht fällt.

Doch, bist du, schließlich gehörst du zu mir. Du kannst es nur besser verstecken.

Das solltest du vielleicht auch mal tun.

Damit ich so ein abgestumpfter Fisch werde wie du? Nein, danke!


Aber ich sehe ein, daß mein Gewissen –ausnahmsweise mal!- recht hat. Wie soll er den Schaden beheben, wenn er ihn vorher nichtmal sehen darf? Ich muß da wohl oder übel durch...


Also stehe ich auf, ziehe mir mein weißes, langärmeliges Shirt über den Kopf, steige aus meiner dunkelblauen Jeans und hänge die Sachen über die Stuhllehne. Nicht, daß mir das leicht fällt. Die Sirenen haben jetzt auf Dauerheulen umgestellt und von dem roten Lämpchengeflirre könnte einem ganz schwindelig werden. Aber wie heißt es so schön? Wer schön sein will, muß leiden...


Ich beobachte Dr. Troy, der ebenfalls aufsteht und um den Schreibtisch herum auf mich zugeht. In seinem Blick ist nichts Abfälliges, nichts Angeekeltes, nur sachlich-freundliches Interesse. Ich merke, wie ich mich innerlich entspanne und höre auf, krampfhaft die Arme vor meinem Körper zu verschränken. Hm, obwohl Dr. Troys Anblick meine Körpertemperatur in ungeahnte Höhen treibt, hat er doch irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich. Merkwürdig.


„Keine Angst, ich beiße nicht“, sagt er und hockt sich vor mich hin, um meinen Bauch unter die Lupe zu nehmen.


„Sie erwarten doch nicht ernsthaft, daß ich Ihnen das glaube.“


Als Antwort ernte ich nur ein vielsagendes Grinsen.


Seine Hände gehen sehr sanft mit mir um, als er gründlich meine lädierte Haut abtastet, zuerst am Bauch, dann an den Oberschenkeln und schließlich noch an den Oberarmen. Dabei steht er so dicht vor mir, daß ich seinen Duft riechen kann; eine Mischung aus Aftershave, einem Hauch männlich-herben Parfüms und seinem eigenen Körpergeruch. Mmmmmhhh......


Und ich kann nicht verhindern, daß sich bei der Berührung seiner Hände ein warmes, sehr angenehmes Kribbeln in meiner Magengegend ausbreitet. Mein Gott, bin ich schon so ausgehungert, daß schon eine ärztliche Untersuchung solche Gefühle in mir auslöst??? Das ist erbärmlich!!! Andererseits, bei DEM Mann ist das ja auch kein Wunder....


Schließlich darf –oder muß??- ich mich wieder anziehen und Dr. Troy macht sich ein paar Notizen. Ich stehe da wie auf glühenden Kohlen. Jetzt wird sich entscheiden, ob sie mich annehmen!!! Ob ich eine glatte, strahlende Bikini-Schönheit werden darf, oder auf ewig ein schrumpliger, in lange Gewänder gehüllter Trauerkloß bleiben muß...


„Okay...wir werden Sie operieren.“


Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!!! „Wirklich?“


Er lächelt. „Ja, wirklich. Wie wär’s mit nächstem Donnerstag?“


„Wow...das ist –ich...Danke!!!“


Bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann, falle ich ihm schon um den Hals. Am liebsten würde ich ihn von oben bis unten abknutschen, aber das wäre dann wohl doch ein wenig zu viel des Guten...



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Kapitel 3


Ich liege auf einem OP-Tisch... die werden gleich anfangen, an mir rumzuschnippeln... fast überall.... Hife!!!

Ich hab Angst... aber irgendwie ist es mir auch egal... vielleicht wach ich nie wieder aus der Narkose auf... auch egal... wieso ist mir eigentlich alles egal? Egal...

Hmmm... die halbe Beruhigungstablette vorhin... ach ja, das Zeug haut bei mir ja immer so rein...


War aber auch nötig, weil wenn da einer mit so ner riesigen Nadel ankommt, die er mir in die Hand jagen will, also da könnte ich ja hysterisch kreischend wegrennen. Mach ich natürlich nicht, aber... naja, besser isses!

Die war ja auch eigentlich ganz nett, die das gemacht hat... wie hieß sie nochmal? L... irgendwas. Ach, egal...

Wann komme ich denn endlich an den Strand?? Bei meiner Knie-OP damals war da doch so ein richtig schöner Strand... mit weißem Sand, Palmen, türkisblauem Meer und tiefblauem Himmel... leichte Brise im Haar... und rosa Kaninchen, aber das ist ne andere Geschichte.


Puh... was brauchen die denn so lange da draußen? Können die mich nicht endlich unter Drogen setzen?!!?

Eigentlich ist es mir ja total egal, aber ich hab Angst!!! Und hier doof rumzuliegen und auf meine „Hinrichtung“ zu warten, macht es ja nun echt nicht besser... aber eigentlich... ja, richtig, es ist mir egal...

Hmmm, tut sich da was? Ich höre Stimmen... das muß aber nicht heißen, daß da wirklich welche sind.

Aber doch, die hören sich ziemlich real an... nicht, daß eingebildete Stimmen sich nicht real anhören würden... das ist ja das Gemeine...


Ach nee, da kommt ja wirklich jemand!! Daß ich das noch erleben darf... Aber eigentlich ist das auch wieder nicht gut, weil das heißt ja, es geht jetzt los!! Waaahh!!! Also, wenn mir nicht alles egal wäre, hätte ich jetzt Panik!!!

Oh, da ist ja wieder die nette Frau von vorhin... L... wie hieß die bloß? Wieso interessiert mich das eigentlich?

Und das da ist... ach ja, Dr. McNamara, der andere Arzt, den ich heute auch kennengelernt hab. Der mir gleich den Bauch aufschneiden wird!! Und die Arme!! UND die Beine!!! Hilfe!!! Jetzt hab ich wirklich Panik!!! Kann mal bitte jemand kommen und mich retten?!!


Meine Güte, ich zittere ja... wirkt die Tablette jetzt etwa nicht mehr? Nein, das ist nicht gut, das ist gar nicht gut! Wo ist meine Gelassenheit, wenn ich sie mal brauche? Die hat sich wohl verkrochen, die treulose, verd-...


„Wie fühlen Sie sich?“


Huch, muß der mich so erschrecken?!!?? Wer ist das überhaupt?? Ach ja, der Doc... Na, wie soll ich mich schon fühlen? Großartig? Bedämmert... das müßte er doch eigentlich wissen, schließlich hat er mir doch die Tablette verabreichen lassen... Panisch, weil ich mir gerade vorstelle, wie ich in Einzelteile zerlegt werde... obwohl mir eigentlich doch wieder alles egal ist... eigentlich hätte ich jetzt gerne meine Dosis Betäubungsmittel, damit ich friedlich schlummern, mich meinen Narkosefantasien hingeben kann und nicht mehr über diese ganze wirre Scheiße nachdenken muß, die mir gerade durch den Kopf geht... aber ja, ich fühle mich ganz fantastisch! Haha...


„Jaja, ich fühle mich wirklich ganz toll, aber können wir jetzt bitte endlich anfangen??“


Nein, Christina, das hast du jetzt nicht laut gesagt, oder? Oh je, ich fürchte, doch, weil der guckt mich so irrtiert an... Mist...


„Hm, ja, es geht gleich los, wir warten nur noch auf... Liz?“, ach ja, Liz, so heißt sie!!, „Ist Chris jetzt endlich da?“


Chris? Die warten auf Chris??? Aber ich lieg doch hier... hab ich irgendwas nicht mitgekriegt?? Muß ich mir vielleicht selbst ein Loch in den Bauch schneiden, damit die endlich anfangen können? Bäh, igitt!! Ich werde hier wirklich noch wahnsinnig...


Wo guckt die denn hin? Achso, durch das kleine Sichtfenster in der Tür... was gibt es denn so Interessantes da draußen...?


„Er macht sich gerade fertig.“


Er? Wer ist er? Naja, anscheinend ist er wichtig... auch gut... ich hab ja nicht Besseres vor... oh Gott, ich bin so müüüde... hmmm, geht da die Tür auf?

Oh, sie reden... blablablabla... wieso versteh ich nichts mehr?... Habt ihr jetzt endlich alles, was ihr braucht? Ach, mir doch alles... scheißegal! Macht... doch, was ihr... wollt! Solange ihr mich nur end-... lich...


Ich glaube, ich bin tot... und im Himmel... ich sehe einen gutaussenden Engel im Arztkostüm... nein, nein, nein, quatsch, er ist ja ein Arzt... Dr. Troy... CHRISTIAN!! Also doch nicht tot... ist auch besser so... Auf ihn haben sie dann gewartet... er ist Chris... hätte ich mir ja wohl denken können. Jaja, wenn ich dazu noch fähig wäre... Na, wenigstens hat das Warten sich gelohnt! Und wie... es... sich... gelohnt hat...

Nein, nein, jetzt will dich doch noch nicht wegdämmern... bitte, bitte... nur noch ein bißchen... DIESEN Anblick genießen... Oh, er kommt her...


„Hallo. Entschuldigen Sie die Verspätung. Wie geht‘s Ihnen? Alles in Ordnung?“


Oh, die üblichen Fragen! Aber- aber warum klingt das bei ihm so... anders? Wieso will ich ihm auf der Stelle mein Herz ausschütten... Oh Gott, ich würde am liebsten losheulen! Nein, ich werde nicht-...


„Ich weiß nicht, ich-... keine Ahnung, es ist-... ich hab Angst.“


...zugeben, daß ich mich fürchte. Soviel zu den guten Vorsätzen des Tages! Dann kann ich ihm ja auch gleich sagen, daß er den geilsten Arsch hat, den ich jemals gesehen habe und ich am liebsten sofort über ihn hergefallen wäre, als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin. Alles Dinge, die ich niemals aussprechen wollte, aber wenn ich eh schon mal dabei bin...

Wieso komme ich eigentlich ausgerechnet jetzt auf sowas? Das Herz rutscht mir schon fast bis zu den Füßen vor Angst und ich denke an Sex! Na toll... aber es hilft irgendwie...

Bin ich echt schon so... versaut? Nein, wahrscheinlich ist es doch eher so ne Art Schutzreaktion. Denk an alles, nur nicht daran, was gleich passieren wird! Daß das aber auch so scheiß-beängstigend sein muß... Wieso benutze ich eigentlich dauernd Schimpfwörter? Blöde Frage... ich fühl mich so mies, da mache ich mir garantiert nicht auch noch Gedanken über die richtigen Formulierungen... außerdem: bin ich hier in einem Lesezirkel für gehobene Literatur?? Nein, ich befinde mich in einem OP, gleich wird wer-weiß-was mit mir angestellt und ich bin kurz davor, auch noch das letzte bißchen Bewußtsein zu verlieren! Oh Gott, wie das klingt!! Hilfe!!!


„Sie brauchen wirklich keine Angst haben, Christina. Sie sind hier in den besten Händen“, Christian lächelt mich an.


Ja, in deinen! Oh Mann, was soll das denn jetzt wieder??


Beruhigend legt er seine linke Hand auf meine Rechte „Keine Sorge, es wird alles gut.“


Hmmm, ja... so wie er mich ansieht, bin ich ja fast geneigt, ihm zu glauben. Mal sehen, ob ich noch ein kleines Lächeln zustande kriege... oh ja, die Mundwinkel bewegen sich nach oben, das kann man durchaus als Erfolg werten!


„Wenn Sie meinen...“


„Ja, das meine ich.“


Ooohh, noch so ein Lächeln... da wird einem ja direkt warm ums Herz...


Vielleicht ist es ja doch alles nicht so schlimm, wie ich mir das vorstelle... Bloß, wie kriege ich diese Horrorbilder aus meinem Kopf? Schnell nochmal genau hochgucken... ja, das funktioniert, sehr gut sogar! Ach, Christian... hat dir schon mal jemand gesagt, daß du sehr sexy aussiehst, in deinen OP-Klamotten?


Du solltest wirklich aufhören, sowas zu denken und ihn Christian zu nennen, schließlich ist er nicht dein Freund oder sowas!! Für dich ist er Dr. Troy... dein Arzt!! Und solche Gedanken sind absolut unangebracht!

Ach, du meine Güte... ich hab mich schon gefragt, wo du eigentlich die ganze Zeit gesteckt hast! Du hast ein paar wirklich gute Nerv-Gelegenheiten verpaßt...

Ich habe überhaupt nichts verpaßt. Ich habe dir die ganze Zeit genau zugehört. Und jetzt fand ich, daß es an der Zeit war, mich zu melden. Du fängst schon wieder an, Wahnvorstellungen zu kriegen.

Na und? Ich bin halb betäubt, da steht es mir zu, Wahnvorstellungen zu haben. Und nur zur Info... gleich krieg ich die volle Dröhnung und das heißt, DU wirst ruhiggestellt, und zwar komplett. Es lebe das Unterbewußtsein! Es lebe der Wahnsinn!

.............

Da fällt dir nichts mehr zu ein, was?


Jaja, mein liebes Gewissen... selbst wenn ich schon am Boden liege, wird nochmal nachgetreten... aber ich kann mich ja wehren... bis jetzt hatte immernoch ICH das letzte Wort... naja, ist ja auch... egal... Christian –ich nenne ihn, wie ICH will, verstanden?? Wag es ja nicht!!!- hat wirklich sehr schöne Augen... sind die jetzt blau oder grün...? Hmmm... von beidem etwas, würde ich sagen...

Will ich eigentlich, daß er mich in diesem Zustand sieht? Tja, Christina... zu spät... das hättest du dir früher überlegen müssen... Ach, ich will mir gar nichts mehr überlegen... Aber ihn angucken, das will ich... ist er nicht einfach umwerfend? Da könnten sie sich die Narkose doch fast sparen, sie müßten ihren Patientinnen nur Christian Troy vor die Nase setzen... nein, nicht schon wieder an Sex denken!

Obwohl... wieso eigentlich nicht? Immernoch besser, als an Nadeln, Skalpelle, angeschnittene Körperteile und Blut... na super, jetzt sehe ich wieder genau das!! Wirklich klug!! Wenn ich noch die Kraft dazu hätte, würde ich mir selbst eine Kopfnuß verpassen... Oh, ich glaube, die Tablette wirkt wieder... ich bin so schrecklich müde... und das „Alles-egal-Gefühl“ kommt auch wieder... Irgendwie wird auf einmal alles so unscharf...


„Miss Armani?“


Wer ist das da? Ich glaube, Liz... was will die von mir? Am besten mal fragen... „Mmmhh, ja?“


Jetzt fummelt sie auch noch mit irgendwas an meiner Infusions-Hand rum...


„Würden Sie bitte von zehn rückwärts zählen?“


Häh??? Okay, okay, denk nach... was könnte sie damit meinen... hmmm... oh Mann, das Denken war auch mal leichter... Ach ja, jetzt weiß ich’s wieder... damit wollen sie sehen, wann die Narkose wirkt... na gut, wenn’s euch glücklich macht...


„Zehn... neun........ acht......................... sie................................ ben.................................................“



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Kapitel 4


Dunkelheit... tiefschwarze Finsternis... ja, so fängt es meistens an... denk ich zumindest, sooo oft hab ich das ja nun auch wieder nicht erlebt. So wie ich rede, könnte man ja meinen, ich stünde ständig unter Narkose oder ähnlichem... so ist es ja nun auch nicht, das muß jetzt mal gesagt werden. Nicht, daß noch irgendwelche Gerüchte aufkommen...


So, zumindest ist hier alles ruhig und friedlich und ich bin auch nicht mehr müde, das ist gut. Na dann, laßt die Spiele –pardon, den Wahnsinn- beginnen...


Was sind denn das da für schöne bunte Farben? Ach ja, die Vorstufe zu den richtigen Bildern... Hmmm, jetzt bilden sich da Muster und die bewegen sich auch noch. Hui, von dem Geflirre könnte einem ja ganz schwindelig werden...


Hmmm... höre ich da Meeresrauschen? Wind, der in Palmenblättern raschelt? Ach ja, das wär’s doch!

Huch!! Na, das ging ja schnell!

Oh ja, hier ist es wirklich wunderschön... hach... erstmal tief durchatmen. Jaja, so lob ich mir das! Die schnippeln da irgendwo an meinen Körper rum und ich mache Urlaub! Hehe...


Oh, da hinten ist irgendwas... sieht aus wie eine Strandbar. Da kommen auch so karibische Rhythmen her, leicht und locker. Dumdidum. Ja, da werde ich jetzt mal hingehen und mir einen Cocktail genehmigen.

Mmh, der warme Sand fühlt sich gut an unter meinen Füßen. Was habe ich eigentlich an? Oh, einen Bikini... einen roten Bikini... und einen bunten Pareo um die Hüfte. Und schön braun bin ich, außerdem fühlt sich meine Haut so... glatt an! Jaja, das hier ist eben doch eine Fantasiewelt... oder nicht? Irgendwie bin ich mir nicht mehr so sicher. Je länger ich hier bin, desto realer kommt mir alles vor...

Hm, aber ich würde doch gerne mal sehen, wie ich jetzt aussehe. Es wäre wirklich schön, wenn ich jetzt einen Sp-... iegel hätte! Wie zum Teufel kommt ein Spiegel an einen Südseestrand??? Ist wohl doch nicht alles so realistisch hier. Naja, aber wenn er da schon mal steht, kann ich auch reingucken. Soo...


WOW!!! Also, wenn die mich in der Realität SO hinkriegen, vollbringen sie echt ein Wunder!!! Also, ich will ja hier nicht in Lobeshymnen über mich selbst ausbrechen, das wäre mir auch irgendwie peinlich, aber... ja, ich sehe schön aus!! Fantastisch, um genau zu sein!! Naja, okay, möglicherweise würden andere das anders sehen, aber das ist ja auch Geschmackssache. Wie war das nochmal? Schönheit liegt im Auge des Betrachters... und ICH finde mich gerade sehr schön!

Eigentlich ist es ja gar nicht meine Art, mich selbst so unvoreingenommen zu mögen... ich glaube, ich bin der kritischste Mensch der Welt, jedenfalls, was mein Aussehen angeht... aber unter Drogen ist ja alles irgendwie anders, also was soll’s?


Naja, weiter im Text... oder eher, am Strand! Es ist so angenehm warm... naja, das ist es zuhause in Miami ja auch, also wieso fällt mir das eigentlich so auf? Hm, vielleicht, weil ich gerade noch gefroren hab, vor Angst, das wäre durchaus möglich.

Aber jetzt bin ich total entspannt und gute Laune hab ich auch, sehr gute Laune sogar! Und mein Gewissen ist tot –naja, zumindest für ne Weile ruhiggestellt!-, also kann ich sagen, denken und tun, was ich will, ohne daß mir wieder jemand dazwischenfunkt und mir die Ohren vollnörgelt!! Das ist sowieso das Beste!! Ha!!


So, Bar erreicht. Hm, einen Barkeeper gibt’s hier anscheinend nicht... jedenfalls seh ich keinen. Aber die Cocktails stehen da schön aufgereiht auf dem Tresen. Die sind ja schön bunt... mit Strohhalm, aufgeschnitteten Fruchtscheiben am Rand und kleinen Schirmchen... und wie lecker die aussehen!! Ob ich mir einfach einen nehme? Eigentlich ist so ne Bar ja kein Selbstbedienungsladen... naja, hier anscheinend schon. Außerdem, das ist ja eh nur ein Traum... oder?


Die sehen nicht nur lecker aus, sie sind es auch!! Mmmh, das schmeckt nach... Ananas und noch irgendwas... Pfirsich vielleicht? Naja, jedenfalls schmeckt es gut! Fehlt mir noch irgendwas zu meinem Glück? Nein, eigentlich nicht... für den Moment...


„Hallo. Ich dachte schon, ich wäre der einzige auf dieser Insel.“


Was-... wie-...diese Stimme kenn ich doch! Nein, das kann nicht sein!! Hm, du solltest dich mal umdrehen, Christina, dann siehst du auch, wer-... CHRISTIAN!!


„Was tun Sie denn hier??“


„Das gleiche könnte ich wohl Sie fragen“, entgegnet er mit einem Lächeln.


Meine Güte, daß ich aber auch immer gleich weiche Knie bekommen muß... „Naja, wenn ich bedenke, daß Sie eigentlich an einem OP-Tisch stehen und sich mein Innenleben mal genauer betrachten sollten...“


Er lacht. „Und Sie sollten eigentlich auf diesem OP-Tisch liegen, aber trotzdem sind Sie hier.“


„Ja, das ist ja auch MEINE Narkosefantasie, also muß ich ja hier sein. Was ist Ihre Entschuldigung, Dr. Troy?“


„Dr. Troy? Warum denn so förmlich? Nenn mich Christian...“


„Vielleicht sollte ich Chris sagen, dann weiß ich nicht, ob ich mit dir oder mit mir selbst rede.“


Mann, was hab ich denn wieder für Sprüche drauf... unglaublich... aber er lacht schon wieder, also muß es ja doch irgendwie cool gewesen sein... Ja, genau, warum bin ich eigentlich so cool? Ich meine, immerhin ist das Christian, der da vor mir steht –und, nebenbei gesagt, in weißem T-Shirt und dunkelblauen Shorts, einfach zum Anbeißen aussieht!-, nicht irgendeiner dieser langweiligen Typen, die mir in letzter Zeit so begegnet sind... aber das hier ist ja auch nicht das wahre Leben... sonst wäre ich sicher schon vor Nervosität im Boden versunken...


„Du bist verrückt, hat dir das schonmal jemand gesagt?“


Verrückt? Ich doch nicht... „Nicht nur einer. Aber, was viel interessanter ist, du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet. Was tust DU in MEINEM Traum?“


Christian zieht eine Augenbraue hoch. „Nun ja, ich denke, da hat mich wohl jemand in seinen Traum gerufen...“


Was? Gerufen? Also, das-.... oh. Ooohh! Natürlich!! Tja, was könnte es Besseres geben, als IHM in meinem Traum zu begegnen?


„Soso, dann bin ich also schuld. Naja, wenn dir eh schon klar ist, daß ich dich sozusagen ‚hergewünscht‘ habe, dann weißt du wohl auch, was ich sonst noch so denke... oder?“


Ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll, wenn er jetzt „Ja“ sagt...


„Möchtest du das denn?“


Oh, was für eine diplomatische Antwort! Nur das vielsagende Grinsen dazu gefällt mir nicht... der sagt mir doch nicht alles...

Andererseits... was soll er wissen, das ich selbst nicht weiß? Es sei denn, ich wünsche mir das. Tu ich das? Oh Mann... sogar meine Träume sind kompliziert...


„Ich weiß nicht... sag du’s mir doch.“ Wow, wie einfallsreich!


Schnell einen Schluck trinken und dabei mal kurz weggucken, sonst werde ich hier noch rot! Irgendwie vermisse ich mein Gewissen ja... es würde mir jetzt unheimliches Selbstvertrauen bringen, dem alten Meckerfritzen eine Abreibung zu verpassen!


Hm, für’s erste muß ich mich wohl mit mir selbst begnügen... nicht unbedingt die besten Aussichten, aber naja... Was soll mir schon passieren?


Ich lehne mich mit den Ellenbogen auf den Tresen und wippe ein bißchen mit dem Fuß, im Takt der Musik. Hmmm...


„Wo kommt eigentlich die Musik her?“, frage ich Christian, weil mir das doch einigermaßen belanglos erscheint und ich gerade genau das brauche. Unverfänglichkeit.


Er zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung. Sie war schon die ganze Zeit da, aber ich sehe hier nirgends eine Anlage. Ist das überhaupt wichtig?“


Nein... genau deswegen hab ich ja gefragt. Hör gefälligst auf, mich so... durchdringend anzusehen! „Nicht wirklich...“


„Aber dich scheint es ja interessiert zu haben.“


„Nein, eigentlich nicht. Mir ist nur nichts Besseres eingefallen.“ Überraschung...! Ja, ich kann auch ehrlich sein, wenn ich will!


„Das glaub ich ja nicht. Es ist wunderschönes Wetter, wir sind hier auf einer Karibik-Insel, ganz alleine wohlbemerkt, und dir fällt nichts besseres ein, als: ‚Wo kommt die Musik her‘?“


Er sieht mich verständnislos an und als ich nichts erwidere, schüttelt er den Kopf. „Komische Träume hast du.“


„Ach ja? Das weiß ich auch, ohne daß du mich extra darauf hinweist.“


Soll man in Träumen nicht alles tun können, was man will? Dinge, die man sich im richtigen Leben niemals trauen würde? Ist man in seinen Träumen nicht der Superheld? Der, dem alles gelingt?

Das gilt jetzt zwar nicht für Albträume, aber davon rede ich ja auch gar nicht. Ich meine, die normalen, schönen Träume, die einfach nur dazu da sind, einen glücklich zu machen. Ja, bei denen ist das so. Normalerweise. Nur bei mir wieder nicht. Ich bin kein Stück mutiger, klüger, oder was auch immer, als sonst. Außer meinem Aussehen, hat sich nichts an mir verändert, zumindest noch nicht. Vielen Dank, Unterbewußtsein! Willst du dich nicht mit dem Meckerfritzen zusammentun? Dann könnt ihr mich gemeinschaftlich ärgern! Hrmpf!


Christian sieht mich ja immernoch an! Seit wann bin ich so interessant? Oder habe ich vielleicht irgendwelche Auswüchse im Gesicht, von denen ich noch nichts weiß...


„Ist irgendwas?“


„Ich warte nur darauf, daß du dich wieder einkriegst. Allerdings... da muß sich was Gewaltiges in dir zusammenbrauen.“


„Gewaltig? Zusammenbrauen? Würdest du mir das bitte erklären?“


„Nein.“


Und warum bitte nicht? Wenn er schon in meinem Traum erscheint, kann er doch wenigstens mit mir kommunizieren, so wie sich das für „Traummänner“ gehört! Pah!!


„Siehst du, du tust es schon wieder.“


„Was denn!!!“


„Das!“, er packt mich an den Oberarmen, zieht mich zu sich heran und starrt mir mit einem Blick ins Gesicht, bei dem einem Angst und bange werden könnte!! Nicht nur könnte!! Hilfe, der guckt mich ja an, als wollte er mich umbringen!!


„Was –was soll d-denn das?“


„Genau diesen Gesichtsausdruck hattest du eben...“ sagt er und es klingt merkwürdig sanft und paßt überhaupt nicht zu dem wütenden Blitzen in seinen Augen...


Ich? Nie im Leben! So furchterregend könnte ich niemals aussehen!! Nichtmal, wenn ich hundert Jahre lang wütend wäre...

Obwohl... wenn der Teufel in mir zum Vorschein kommt... Ehrlich gesagt, in so einer Stimmung habe ich noch nie in den Spiegel geguckt... aber trotzdem, er soll damit aufhören!


„Könntest du das bitte lassen?“


Der mörderische Ausdruck fällt von seinem Gesicht ab, als wäre er nur eine Maske gewesen. Einfach weg... puff!


„Bist du sicher, daß du nicht deinen Beruf verfehlt hast? Du hättest Schauspieler werden sollen, das war gerade ne Oscar-reife Leistung, wirklich.“


„Hattest du etwa Angst?“, erkundigt er sich scheinheilig.


„Nein, den panischen Ausdruck in meinen Augen hast du dir nur eingebildet! Was glaubst du denn? Stell dir vor, dich würde jemand so... teuflisch anstarren!“


„Das brauche ich nicht, du hast es ja eben getan.“


„Ich habe ni-... na gut, vielleicht war ich wütend... aber das war nichts Persönliches, ehrlich... naja, doch, schon, aber nicht auf dich bezogen, nur auf mich...“


Besser gesagt, auf meine merkwürdige Art, zu träumen, aber er muß ja nicht alles wissen...


„Und jetzt ist der Anfall vorbei?“


Anfall? Muß bei ihm denn alles wie eine Beleidigung klingen? Paß bloß auf, sonst werde ich gleich doch noch wütend auf dich... Oder bin ich vielleicht zu schnell beleidigt? Eigentlich sieht er ja gar nicht besonders gemein aus... Oh Gott, ich will aus diesem Traum verschwinden! Das ist alles so... schwachsinnig!


„Ja, ist er. Für’s erste zumindest. Aber freu dich nicht zu früh, es könnte jederzeit wieder einer kommen...“ Jaja, da ist wieder, der Sarkasmus! Ehrlich gesagt, das fühlt sich gut an!


Und so, wie er jetzt lächelt, sieht er ja schon wieder zum Anknabbern aus... da lohnt es vielleicht doch, noch ein wenig zu bleiben...


„Ich werde dich schon besänftigen, wenn es sein muß.“


Was soll das jetzt wieder heißen? Ich glaube, ich sollte aufhören, mir über sowas Gedanken zu machen. Hier ergibt doch nichts einen Sinn. Aber er hat irgendwie sowas... Vielversprechendes an sich. Außerdem ist dieser Mann einfach unglaublich sexy!!! Oh je, ich glaube, meine schmutzige Fantasie hat mich wieder. Aber wer könnte es mir verdenken?


„Hmmm, ja... was auch immer du damit meinst. Und jetzt?“ Oh Gott, mein Gesicht fühlt sich so heiß an und das kommt garantiert nicht von der Sonne!


„Jetzt... komm her“, sagt Christian mit einem einladenden Unterton und streckt mir seine Hand entgegen.


Komm her? Okay... eigentlich würde ich ihn sowieso am liebsten- ... naja, lassen wir das. Ich ergreife seine Hand... „Was hast du vor?“


„Das wirst du ja sehen“, entgegnet er, sieht mir in die Augen und zieht mich an sich. Dann platziert er seine Hände auf meiner Taille, die –und das ist wichtig!- nackt ist, da ich ja, wie schon erwähnt, nur einen Bikini anhabe!


Sehen? Wohl eher fühlen... und... Gott, was riecht der Kerl gut!!! Kann man eigentlich nach Sonne riechen? Nach Strand, Urlaub und Freiheit? Keine Ahnung... aber er tut es!!! Mmmmhh...


Jetzt wechselt auch noch die Musik... „Smooth“ von Santana... Oh, ich liebe diesen Song! Der ist irgendwie so... heiß!!


Was machen wir hier eigentlich? Tanzen, ja... irgendwie kann man das nicht mehr tanzen nennen, das fühlt sich nach viel mehr an! Für bloßes Tanzen ist er mir schon viel zu nah! Und seine Hände liegen auch nicht mehr auf meiner Taille, sondern auf meinem Hintern!! Nicht, daß mich das stören würde...


Ich presse mich dichter an ihn und fahre mit den Händen über seinen Rücken. Irgendwie bin ich überhaupt nicht mehr nervös... vielleicht auch deshalb, weil mein Kopf sich abgeschaltet hat. Ich spüre nur noch Gefühle... und davon jede Menge... die sind aufregend, heiß und was-weiß-ich-noch...


Und ER ist heiß!!! Ich kann mich nicht erinnern, daß mich jemals ein Mann so dermaßen fasziniert und angezogen hätte, wie Christian Troy!! Alles an dem Kerl ist einfach... WOW!!!... irgendwie fallen mir da jetzt keine passenden Worte ein...


Und... oh Mann, diese Lippen!! Lecker... komische Bezeichnung, ich weiß, aber so sehen sie aus... Verführerisch... und sein Gesicht ist Meinem so nah... ich würde ihn jetzt wirklich gerne-...


...küssen! Da ist mir wohl jemand zuvorgekommen! Ob er meine Gedanken gelesen hat? Und wie er küssen kann!!! Da hört doch alles auf!!! So sanft und gleichzeitig fest, so... zurückhaltend und gleichzeitig fordernd... mmmhh...


Meine Hände entwickeln ein Eigenleben, schieben sich ganz frech unter sein T-Shirt, streifen es ab und entdecken warme, glatte Haut, spüren eine muskulöse Brust und einen festen Bauch. Was für ein Körper!!


Aber er ist auch nicht untätig, irgendwas tut sich da an meinem Rücken... ich glaube, er öffnet mein Bikini-Oberteil... und küssen tut er mich auch weiter... und wie... wow... es würde mich nicht wundern, wenn ich gleich in Ohnmacht falle... aber das wäre schade, dann würde ich DAS HIER ja verpassen und das geht ja nun nicht... nein.

Ich glaube, das ist der richtige Zeitpunkt, sich auf den Boden sinken zu lassen, meine weichen Knie machen das eh nicht mehr lange mit... aber er muß mitkommen...


Ok, mein Oberteil ist weg... naja, vielleicht nicht weg, aber auf jeden Fall nicht mehr da, wo es eigentlich sein sollte... nicht, daß mir das was ausmacht...

Noch mehr Küsse, meine Güte, ich komme ja kaum zum Luft holen! Und wenn doch, dann in Form von seligen Seufzern... Wo hat er nur seine Hände? Irgendwie scheinen sie überall gleichzeitig zu sein... streicheln mich mit sanfter Festigkeit. Er liebkost meinen Körper, als wäre er etwas unglaublich Wertvolles... ich glaube, ich habe mich noch nie in meinem Leben so begehrt gefühlt... mmmhh...


Es ist einfach unbeschreiblich, was dieser Kerl mit seinen Händen und Lippen anstellen kann!! OH. MEIN. GOTT!!! Oder sollte ich vielleicht lieber OH. CHRISTIAN!!! sagen? Das trifft es eher...


--------------------------------------------------------------------------------


Dunkelheit...


Wo... wo bin ich? Seit wann sind meine Augenlider so schwer? Ich krieg ja kaum die Augen auf... alles ist so verschwommen... Da ist jemand... Christian? Sagt er da was zu mir? Ich verstehe überhaupt nichts mehr... Was-... ist hier los? Wie-... Und vor allem, warum...


„Warum, zum Teufel, bist du angezogen??“



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Kapitel 5


Ich bin verwirrt... aber er scheint es auch zu sein, jedenfalls, wenn man nach seinem perplexen Gesichtsausdruck geht... Hmmm, offenbar kann er sich aber schneller davon erholen, als ich...


„Soll ich vielleicht nackt operieren?“, fragt er und grinst mich verschwörerisch an.


Häh?? Operieren? Wovon redet er nur? Ich kapiere überhaupt nichts! Wo ist der Strand, die Sonne, und vor allem, die Leidenschaft, die ich gerade noch gespürt habe??? Einfach verpufft? Das kann nicht sein... oder? Und kann er sich überhaupt nicht erinnern, was wir gerade eben gemacht haben???


„Wir... wir haben uns doch eben noch... nackt im Sand... gewälzt.“ Warum ist das Sprechen auf einmal so schwierig? Es geht langsam und nur leise... meine Zunge fühlt sich an, wie ein Fremdkörper in meinem Mund... so schwerfällig... „Du... hast... du wirst doch wohl... noch wissen, was... du vor... zwei Minuten getan hast...“


„Ja, das weiß ich sogar noch sehr gut! Ich habe mich umgezogen und eine Tasse Kaffee getrunken, dann bin ich hergekommen, um nach Ihnen zu sehen... Nun, es ist gut, daß Sie aufgewacht sind, aber ich glaube, sie stehen noch unter den Nachwirkungen der Narkose“, erklärt er und es sieht aus, als hätte er Mühe, sich das Lachen zu verkneifen.


Narkose? Und wieso siezt er mich plötzlich wieder? Ich dachte, darüber wären wir hinaus... sehr weit hinaus... Oh Gott, warum fällt mir das Denken auf einmal wieder so schwer... mir ist schwindelig... und mein Kopf fühlt sich an, als wäre jemand mit einer Dampfwalze drübergefahren...


„Ich... versteh nicht... eben war... doch noch alles... anders“, und wie!!!, „Wir... du und... ich... warum redest du so...?“ Mal ganz abgesehen davon, daß... ich keine Ahnung habe... worüber eigentlich...


Was ist hier los? Hab ich am Ende etwa mein Gedächtnis verloren??? Oh Gott!! Und ich bin so schrecklich müde... und irgendwie ist mir schlecht...


Christian zieht sich den Stuhl neben meinem Bett –Bett??!!- heran und setzt sich zu mir. „Machen Sie sich mal keine Sorgen. Jetzt kommt Ihnen möglicherweise alles merkwürdig vor und Sie wissen nichts mehr. Aber das wird wiederkommen, sobald die Wirkung der Narkose nachläßt. Sie sollten vielleicht einfach noch etwas schlafen und danach sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“


„Ich- ich... huh...“ Schlafen... eigentlich eine SEHR verlockende Vorstellung... aber wie soll ich schlafen, wenn ich nichtmal weiß, wo ich bin? Hmm, vielleicht schlafe ich ja auch schon längst... und das ist alles nur ein Traum... ein sehr merkwürdiger Traum... „Wo... sind wir hier?“


„Im Aufwachraum unserer Praxis. Und wie gesagt, erholen Sie sich erstmal. Es ist alles in bester Ordnung.“


Aufwachraum... Praxis... war da nicht irgendwas? Hmmm... er sagt, es ist alles okay... hmmm... und ich glaube ihm?... ja... doch... und ich bin wirklich todmüde... jaja.... schlafen ist gut...


„Na okay... dann gute Nacht... übrigens... du küßt fantastisch...“ Wo kam das jetzt wieder her?... Egal... Höre ich ihn da etwa lachen?...


„Schöne Träume.“


................





--------------------------------------------------------------------------------


„Hey Süße, wie geht’s dir?“


Hmm? Oh...


„Will... ich dachte, du hättest keine Zeit...“


„Ich hab mir eben welche genommen. Die Entscheidung, entweder in dieser tödlich langweiligen Besprechung zu bleiben, oder dich zu besuchen, ist mir aber auch nicht schwer gefallen“, grinst er und drückt meine Hand, „Alles okay?“


Hm, mal überlegen... „Ja, ich denke schon... ich bin nur irgendwie völlig erledigt... aber das ist ja normal... „Vorhin bin ich schonmal aufgewacht, glaube ich, aber da hab ich das irgendwie nicht so richtig realisiert und-... Oh Gott!!!“


Nein!!! Das ist nicht wahr, oder??? Ich habe nicht wirklich-...


„Was ist denn?“, fragt Will und sieht mich besorgt an, „Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“


„Narkose-Sex...“


„Bitte was?“


„Als ich unter Narkose war, hab ich geträumt... ich hatte Sex... mit ihm...“


„Mit wem?“


„Chri-... Dr. Troy!“


„Dr. Troy... Du meinst doch nicht etwas diesen wahnsinnig gutaussehenden Kerl, der mir erklärt hat, du hättest alles gut überstanden und mich dann zu dir gebracht hat?!“


„Doch... genau den...“, ich werfe meinem besten Freund einen panischen Blick zu, „...und ich fürchte, er weiß es... oh Gott, wie peinlich!!!“


„Jetzt beruhig dich erstmal wieder... woher soll er das denn wissen?“


„Weil ich’s ihm gesagt hab... unabsichtlich...“


„Du hast-...“, er sieht mich ungläubig an und seine Mundwinkel zucken verdächtig, dann prustet er los und lacht so sehr, daß ihm die Tränen in die Augen schießen, „Das gibt’s ja nicht, das ist- du hast echt-...“


„Hey!... Ich war noch halb bewußtlos...“ Aber so ganz ernst bleiben kann ich auch nicht... irgendwie ist es ja schon komisch... wenn’s nur nicht so furchtbar peinlich wäre...


„Sorry“, Will wischt sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln, „Naja, sowas kann doch jedem mal passieren... nein, eigentlich nur dir“, stellt er mit einem breiten Grinsen fest.


„Jaja, reib’s mir ruhig unter die Nase“, brumme ich, „Ich bin eine wandelnde Katastrophe.“


„Ach, Unsinn. Okay, das war vielleicht peinlich, aber was soll’s? Das Leben geht weiter. Er wird schon noch merken, was für ein reizendes Wesen du bist. Und er hat bestimmt auch schon einiges von ‚halb bewußtlosen‘ –wie du das ausdrückst- Patienten gehört. Außerdem, warum interessiert dich das eigentlich so sehr, was er von dir hält?“, fragt er mit einem spitzbübischen Unterton.


„Weil-... keine Ahnung. Naja... ich-... er ist-... ach, du hast ihn doch gesehen.“


Muß ich mich hier eigentlich rechtfertigen? Naja, irgendwie will ich ihm ja auch sagen, was los ist –mal abgesehen davon, daß ich ihm nach meinem ersten Termin eh schon die Ohren vollgeschwärmt habe-, aber ich weiß es ja selbst nicht so genau. Außerdem, daß ich jetzt einigermaßen wach bin, heißt nicht, daß ich schon wieder einen klaren Kopf habe...


„Ich weiß auch nicht... irgendwas ist da... ich meine-... Kannst du mir mal BITTE sagen, was jetzt schon wieder so witzig ist??!?“, verständnislos sehe ich ihn an, er krümmt sich ja schon wieder vor Lachen!


„Ich-... hahaha... sag- sag mal, merkst du das... haha... nicht- selbst?“, preßt er hervor.


„Nein, was soll ich denn merken, bitte schön?“ Ist der jetzt endgültig verrückt geworden?


„Ich glaub, das einfach nicht...“, er gibt sich große Mühe, sich zu beherrschen, aber ich kann sehen, daß er sich immernoch am liebsten auf dem Boden wälzen würde, „Patientin verknallt sich in ihren Schönheitschirurgen... das ist wie in einem von diesen billigen Groschenromanen, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt... Und das dir!“


„Haha, sehr witzig! Und wie kommst du überhaupt auf ‚verknallt‘?“


„Oh, bitte!“, seine Stimme trieft vor Spott, „Du müßtest mal dein Gesicht sehen. Die pure Entrüstung! Wenn ich falsch läge, würdest du auch lachen.“


„Ach, siehst du das etwa nicht?“, ich verziehe den Mund und blecke die Zähne, „Ich lach mich tot.“


„Ach Chris, du bist so süß, wenn du beleidigt bist“, grinst er und streichelt mir über die Wange, „Aber jetzt sei doch mal ehrlich, bitte... du bist verrückt nach dem Kerl.“


„Pah!“ Ich könnte ihn-... Mann, wie ich das hasse, wenn er recht hat!! Ich würde ihm jetzt wirklich gerne einen Klaps geben, aber ich kann mich kaum bewegen, überall sind Verbände. Irgendwie fühle ich mich ein bißchen wie eine Mumie... einbandagiert von oben bis unten...


„Und selbst wenn... es besteht doch nicht die geringste Chance, daß das irgendwas werden könnte... nur gesetzt den Fall, daß ich das überhaupt MÖCHTE, verstanden?“


„Jaja, natürlich, nur ganz theoretisch...“, Mann, wann hört er endlich auf, so zu grinsen?, „Warum sollte es nicht?“


„Erstens, er kann wahrscheinlich Jede haben, die er will und bestimmt nimmt er sich auch Jede, die er will... ist nur so ne Ahnung. Warum sollte er also ausgerechnet mich nehmen? Und zweitens, er hat bis jetzt nur die allerfurchtbarsten Seiten von mir gesehen: meine gräßlichen Hautlappen, meinen halb durchgedrehten Zustand vor der OP, dann hat er mich mal ein bißchen von innen betrachtet, und zwar wortwörtlich und danach mein narkotisiertes Delirium, in dem ich nur unsinniges –und vor allem peinliches!- Zeug von mir gegeben habe. Was, bitte schön, soll er nach alldem denn noch attraktiv an mir finden??“


Will setzt eine gespielt nachdenkliche Miene auf. „Naja, vielleicht die Tatsache, daß du davon träumst, Sex mit ihm zu haben...“


Darf ich ihn töten??!!



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Kapitel 6


Ein dreiviertel Jahr später in einem Club, ca. 22.00 Uhr...


Gähn... gähn... GÄHN... Wieviel Langeweile paßt eigentlich in einen einzelnen Menschen, genauer gesagt: Mann???!! Jede Menge, wie ich gerade feststellen muß... Boah, hat der etwa Schlaftabletten gefrühstückt??? Oder zum Abendbrot gegessen, schließlich ist es ja schon nach zehn...

Glaubt der wirklich, es interessiert mich, wieviel er für sein letztes Auto bezahlt hat?? Das wievielte war das überhaupt? Ich glaube, wir sind inzwischen bei Nummer Vier... oder Fünf... oder war’s doch schon Sieben?

Ich hab ja wirklich nichts gegen Autos, ganz im Gegenteil, ich finde einige sehr schön und im Allgemeinen auch interessant, mein Eigenes ist mir sogar sehr ans Herz gewachsen und ich würde es nur über meine Leiche hergeben... aber was zuviel ist, ist zuviel!!

Wofür braucht der überhaupt so viele Autos? Eins reicht doch... zwei, klar, versteh ich auch noch, aber das... naja, wahrscheinlich braucht er irgendwas, womit er angeben kann... und andere beeindruckt das ja vielleicht auch, aber... GÄHN... !!


„Können Sie kochen?“


Bitte? Was ist denn das für ne Frage?? Also, ich... ja, hm-... aha, anscheinend war das ne rhetorische Frage, und er will gar keine Antwort hören... Gut, ich kann’s nämlich sowieso nicht, das heißt, ich könnte vielleicht, aber ich bin zu faul, oder zu beschäftigt, was auch immer...


„Wissen Sie, meine Mutter, die...“


Oh Gott!! Darf ich dir mal einen Tip geben? Lade niemals, NIEMALS eine Frau zu einem Drink ein und erzähl ihr dann lang und breit von deiner Mutter!! Das Gleiche gilt übrigens für jegliche Ex-Freundinnen...

Puh... das kann ja heiter werden... er scheint mir genau der Typ zu sein, der von seinen Autos, über seine Mutter, zu seinen Ex-Freundinnen oder geschiedenen Ehefrauen kommt...


Hm, mein Glas ist leer... am besten mal dem Barkeeper ein Zeichen geben... anders überlebt man das hier ja nicht... obwohl, mich zu betrinken, hat auch keinen Sinn, das einzige, was ich dann davon habe, ist der Kater morgen... naja, soviel hatte ich ja noch nicht, noch ein, zwei Gläser werden wohl nicht allzuviel Schaden anrichten...

Natürlich könnte ich auch einfach abhauen, aber mir fällt gerade keine passende Ausrede ein. So ein Mist aber auch! Sonst bin ich doch auch nicht so unkreativ...


Mann, so hatte ich mir den Abend wirklich nicht vorgestellt! Und für den hab ich mich garantiert nicht so in Schale geworfen!! Meine Güte, da tut man sein Bestes, um ansprechend auszusehen und einen entspannten Abend zu verbringen, interessante und vielleicht auch amüsante Konversation inklusive, und dann sowas. Steht vielleicht „Alle Langweiler zu mir!“ auf meiner Stirn??


Apropos Stirn, oder überhaupt Gesicht... Hallo?! Meine Augen sind hier oben!! Hm, oder ist der vielleicht auch noch zu dämlich, Brüste und Augen voneinander zu unterscheiden? Okay, Scherz. Aber mal ehrlich... mein Ausschnitt ist, naja schon... ähem, gewagt... aber das ist doch kein Grund, schon beinahe seine Nase reinzustecken!!! Anscheinend hat seine Mutter, die er doch so gerne erwähnt (ja, HURRA...), ihm nichtmal einen Funken Anstand beigebracht...


Tataa!!! Was hab ich gesagt? Kommen wir also zu Exfrau Nummer Eins... Jaja, mmhhmm, die war ja wirklich ganz furchtbar, geradezu grauenerregend... Warum hast du sie dann geheiratet?? Wahrscheinlich hatte sie schöne große Ti-... Okay, noch einen Martini, bitte!!

Aha, sie hat dir also dein ganzes Geld abgeknöpft... soso, aber für die hundert Autos danach hat’s schon noch gereicht, ne? Und die Luxusurlaube in St. Tropez, und was weiß ich, wo noch, und die Kreuzfahrten und die zwei Strandhäuser...

Meine Güte, wie ist der Kerl bloß so reich geworden?? Sicher nicht mit seinem unheimlich scharfen Verstand, oder dem unglaublichen Ideenreichtum, oder dem charmanten Witz, und was ihm sonst alles noch so abgeht...

Seufz... wann hat das endlich ein Ende? Mensch, Gehirn, laß dir irgendwas einfallen, damit ich hier so schnell wie möglich wegkomme!


Dein Gehirn ist auch nicht mehr, was es mal war, was?

Ach, was sind wir wieder freundlich heute! Nun ja, ehrlich gesagt, kommst du mir ausnahmsweise mal ganz gelegen, dann hab ich wenigstens ein bißchen Ablenkung.

Also wirklich... so schlimm ist er doch nun auch wieder nicht... Sei doch froh, daß dich überhaupt jemand anspricht...

Ich hör wohl nicht richtig! Bist du eigentlich noch zu retten?

Du könntest ruhig etwas netter sein, oder wenigstens nicht so abfällig denken...

Und warum, bitte schön? Soll ich ihn etwa auch noch darin bestärken, mich zu langweilen?

Er gibt sich doch wirklich Mühe, dich zu unterhalten...

Sag mal, wo hast du eigentlich deine Ohren?? Das gibt’s ja nicht, manchmal bist du wirklich zum Kringeln!!


„Warum lachen Sie denn so?“


Ich lache? Hat er etwa einen Witz gemacht?? Das wäre ja ein Wund-... Ooops, ich hab wohl zu offensichtlich auf mein Gewissen reagiert... hm.


„Ach, ähm... gar nichts. Ich mußte nur an was denken...“ Meine Güte, jetzt guck doch nicht so pikiert!! Wir sind hier doch nicht auf einer Beerdigung!!


Siehst du, jetzt hast du ihn irritiert!

Na und? Er macht mich jetzt seit... warte, mal gucken... fast einer Stunde wahnsinnig, dagegen ist das doch gar nichts.

Du hättest ja schon lange gehen können, wenn er dich so nervt...

Mir ist aber keine Entschuldigung eingefallen, das weißt du ganz genau, also hör auf, so rechthaberisch zu sein. Irgendwie ist das wie mit dir...

Ach ja?

Vor dir könnte ich gar nicht fliehen, selbst wenn ich wollte... dummerweise sitzt du ja nun mal in meinem Kopf und dich kann man leider auch nicht rausoperieren oder so... Und anstatt hier so altkluges Zeug von dir zu geben, solltest du mir lieber helfen, hier wegzukommen, das wär doch wirklich mal was, oder nicht?

Ich denk ja gar nicht dran!

Mann, dann leck mich doch am Arsch!

Tze, achte du mal lieber auf deine Ausdrucksweise!

Nö!


„Ähm, na gut, okay... wo war ich? Ach, ja. Natürlich hätte ich es gleich wissen müssen, denn meine Mutter hat mich vor ihr ge...“


Oookay, das reicht! Hm, ich brauch irgendwas, womit ich ihn abschrecken kann... hmmm... soll ich ihm vielleicht detailliert beschreiben, was bei meiner Hautlappen-OP damals so alles gemacht wurde? Hm, nein, dann wird mir nachher noch selber schlecht! Das fällt also aus!

Ach, ich werde einfach meine schlechten Angewohnheiten raushängen lassen, das wird für Mister-„Ich würde am liebsten wieder zu meiner Mutter ziehen, denn sie kocht am besten, bügelt die richtigen Falten in meine Hosen und warnt mich vor den bösen, bösen Frauen dieser Welt!“ bestimmt vollkommen ausreichen! Also gut, na dann los... Phase Eins...


Ich halte mein leeres Glas hoch und nicke dem Barkeeper zu. „Könnte ich bitte noch so Einen bekommen?“


Alarmierter Blick von der linken Seite! „Meinen Sie nicht, daß Sie schon genug getrunken haben?“


Oh ja, es wirkt schon! Also, daß der sich so leicht erschrecken läßt, hätte ich ja jetzt nicht gedacht. Außerdem, so viel hatte ich doch noch gar nicht. Tja...


„Ähm... nein. Sonst würde ich ja nichts mehr bestellen, oder?“ Und das alles in einem liebenswürdigen Ton... und jetzt noch höflich lächeln... Braaav, Christina, sehr brav!


„Nein, das würden Sie wohl nicht.“ Irritierter Blick! Es läuft wirklich sehr gut!


Super, da ist ja mein volles Glas! Erstmal einen Schluck trinken... So, und jetzt kommen wir zu Phase Zwei... Wo ist meine Handtasche? Ah, da! Hmm, hatte ich hier nicht noch irgendwo eine Zigarettenscha-...


Vergessen wir Phase Zwei!!! Da ist meine Rettung!!! Der sprichwörtliche Ritter in schimmernder Rüstung auf dem weißen Pferd!!! Okay, auf einem Pferd sitzt er nicht und statt einer Rüstung trägt er einen hellgrauen Anzug und ein blaßgelbes Hemd, die obersten Knöpfe geöffnet... hach... wow...

Nun ja, aber er ist es!! Christian!!!


Bist du wahnsinnig?! Wie soll er, dein ehemaliger Arzt, dich denn retten?!

Ach, das laß mal meine Sorge sein, okay? Gott, was sieht er wieder gut aus!!

Oh je, die Anfälle beginnen wieder! Ich ahne Schreckliches...!

Sei doch ruhig! Ich kann mich ja selbst nicht denken hören!

Das ist auch besser so. Ich will mir gar nicht vorstellen, was du jetzt wieder vorhast...!

Scht!!


Christian, bitte bemerk mich! Jetzt!! Sofort!!

Mit einem, wie ich hoffe, hilfeschreienden Blick sehe ich zu ihm hinüber. Er geht die restlichen Stufen des Eingangs hinunter und schlägt dann die Richtung ein, in der sich die Bar befindet und demzufolge auch ich. Bitte, jetzt guck doch mal rüber! Hmmm, irgendwie sieht er etwas gestreßt aus und ziemlich schlechtgelaunt... Verdammt! Er hat bestimmt keine Lust, jetzt auch noch meinen Retter zu spielen!! Zumal ich mich ja durchaus selbst retten könnte... ich müßte einfach nur aufstehen und-...

Oh, jetzt hat er mich doch gesehen!! Hm, ob er mich überhaupt noch kennt? Immerhin ist es ja doch schon fast ein halbes Jahr her, daß wir uns das letzte Mal gesehen haben...

Anscheinend weiß er noch, wer ich bin... er lächelt mich an... wo ist die schlechte Laune hin?... ach, egal... wow... also, dieses Lächeln ist ansteckend!


„Hören Sie mir überhaupt noch zu?“


Quatscht mich da etwa jemand von der Seite an? Ach, der Typ ist ja immernoch da! Aber da vorne... da ist Christian...


„Hmmm, nein... ehrlich gesagt, nicht...“


Okay, jetzt muß ich nur noch meinen besten „Bitte hilf mir! Ich sterbe vor Langeweile!“-Blick aufsetz-...


Hey, er kommt her!! Das geht jetzt aber schnell! Hmm, vielleicht hat er die Situation schon längst erkannt. Aber daß er mir anscheinend tatsächlich aus der Patsche helfen will... unglaublich... naja, nicht wundern, Christina, FREUEN!!!


„Hallo.“


Puh, gut daß ich sitze! Daß der aber auch so umwerfend aussehen muß...


„Hallo.“


„Hattest du nicht gesagt, du wolltest mit einer ‚Freundin‘ weggehen?“, fragt er und wirft dem Typ neben mir einen sehr mißtrauischen Blick zu.


Oh, er hat das Spiel verstanden! Gott sei Dank!


„Ich, äh... naja, sie ist noch nicht aufgetaucht und er hier hat mich einfach... angesprochen und wir haben uns unterhalten, also ich-... ähm...“


„Soso, ‚unterhalten‘...“, Christian zieht die Augenbrauen hoch und legt dann einen besitzergreifenden Arm um meine Taille, „Du sollst dich doch nicht von fremden Männern anmachen lassen...“, grinst er und küßt mich auf die Wange, „Dafür hast du doch mich.“


Ach ja, schön wär’s...


„Ich weiß... ich hab ja auch gar nichts getan...“ Mit dem Typ würde ich auch nie im Leben irgendwas tun!!! Ich hab ihm ja noch nichtmal richtig zugehört...


„Sie haben einen Freund? Das hätten Sie aber auch gleich sagen können“, kommt es von der Seite und zwar ziemlich ärgerlich.


„Haben Sie mich etwa gefragt? Naja, wahrscheinlich waren Sie zu beschäftigt damit, mir in den Ausschnitt zu glotzen...“ Na, wo hab ich denn den Spruch auf einmal her? „Nur zur Info... Wenn Sie mit einer Frau sprechen, sollten Sie Ihr in die Augen sehen und die sind hier oben“, und das sollte ich auch gleich mal mit einer Geste verdeutlichen, damit auch der letzte Idiot es versteht!, „Alles klar? Und ach ja, bevor ich’s vergesse... Mütter und böse Exfrauen gehören nicht zu den Themen, mit denen Man(n) unheimlich viel Eindruck machen kann...“


Ach, was bin ich doch nett! Hmmm, irgendwie ist Christians Anwesenheit sehr hilfreich für mein Selbstvertrauen... und er ist so nah bei mir... Oh oh, lieber nicht so genau darüber nachdenken, sonst werde ich gleich wieder nervös...


„Also, das muß ich mir doch wirklich nicht bieten lassen! Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?“


Och... muß ich darauf wirklich antworten? Na gut, er will es ja so... „Eine Frau? Und zwar Eine, die gerade die langweiligste Stunde ihres Lebens verbracht hat... tut mir leid, aber so ist es...“


„Also, das ist doch-... nur damit Sie’s wissen: die Masche des gebeutelten Ex-Ehemanns hat bis jetzt immer hervorragend funktioniert.“


„Ach, dann möchte ich lieber nicht wissen, mit was für Frauen Sie sich sonst so abgegeben haben“, da kann man doch wirklich nur noch den Kopf schütteln!, „Wahrscheinlich solche, die es auch nicht stört, daß Sie ständig Augen mit Brüsten verwechseln...“


Okay, ich glaub, das reicht! War das vielleicht jetzt doch zuviel? Irgendwie ist mir das alles einfach so rausgerutscht... Nein, eigentlich war das genau richtig!


„Ach, Sie können mich mal...“


„Ich denke, das wird sie nicht“, schaltet sich Christian wieder ein, „Dafür hat sie zuviel Klasse! Außerdem habe ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Nicht wahr... Schatz?“


Ich habe Klasse? Meint der das ernst??? Jetzt bloß nicht rot werden!!


„Na, sicher... gegen dich kommt sowieso keiner an.“ Das ist die Wahrheit!! Oh Mann, ist das hier wirklich so heiß, oder liegt das an ihm??


Oh, na endlich haut er ab!! Das wurde ja auch Zeit!!


„Bye. Auf Nimmerwiedersehen!“, rufe ich seinem Rücken hinterher und kann mir ein triumphierendes Grinsen nicht verkneifen.


Und jetzt? Hmmm, er ist weg, aber Christian macht keine Anstalten, seinen Arm wegzuziehen... Also, nicht, daß ich was dagegen hätte... ganz im Gegenteil!... aber was hat das jetzt wieder zu bedeuten?


Anscheinend wird das doch noch ein interessanter Abend...



08-09-2005 11:18 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 7


Puh... mannomann, jetzt kriege ich plötzlich wieder Nervenflattern... oder eher: Herzflattern! Und tausend Fragen schießen in meinem Kopf umher... vor allem: warum hat Christian da mitgespielt? Hmmm, höre ich da keine Proteste von einem gewissen Jemand, daß ich „Dr. Troy“ mal wieder bei seinem Vornamen nenne? Jaja, dem alten Nörgler hat’s wohl auch die Sprache verschlagen... hm, eigentlich ist das sowas wie ein Wunder! Aber was mach ich mir Gedanken über solche unwichtigen Dinge, es gibt doch soviel anderes, worüber es sich zu wundern lohnt... seufz...


Was mache ich denn jetzt? Ich bin so nervös... ER macht mich nervös, dabei tut er eigentlich gerade gar nichts. Muß er auch nicht, allein seine Anwesenheit reicht ja schon! Hmmm, ich sollte irgendwas sagen... ja, das ist wirklich eine sehr gute Idee... wenn ich nur wüßte, was! Ich könnte mich natürlich bei ihm für seine Hilfe bedanken, das wäre doch ein Anfang. Jetzt muß ich nur noch meinen Mund irgendwie dazu kriegen, sich zu öffnen und Worte zu bilden... Hey Mund, na los, beweg dich! Nein? Ach, du alter Sturkopf! Sonst bist du doch auch nicht so verschlossen...! Mann, jetzt laß mich doch nicht im Stich! Bitte...


Okay... so schwer kann das doch nicht sein. Und nicht vergessen, Christina, guck ihn an, wenn du mit ihm sprichst und nicht irgendwo auf den Boden... alles klar? Oh Mann, diese Augen...


„Ähm... danke! Sie haben mir gerade wirklich das Leben gerettet!“ Und jetzt noch lächeln... na siehst du, es geht doch!


„Sie?“, entgegnet er und zieht amüsiert die Augenbrauen hoch, „Ich dachte, das hätten wir hinter uns... Schatz!“


„Äh, ja, also... ähm... ich... äh... hm“, boah, was eine geistreiche Aussage! Nein, nein, bitte nicht, bloß nicht rot werden!!! Puh... Also nein, blaß aber auch nicht!!! Ach, verdammt!!!


„Möchtest du einen Drink? Du siehst aus, als könntest du Einen gebrauchen.“


Wie wär’s mit ‘ner Sauerstoffmaske? „Ja, bitte... und danke.“


Er sagt etwas zu dem Barkeeper, was genau, bekomme ich nicht so richtig mit, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, ihn völlig entrückt anzustarren... meine Güte, das muß aufhören, sofort!


Oh, ein Glas... na mal sehen, was er mir da aufgetischt hat. Hmm, das riecht nach Wodka... na, ich muß aber wirklich sehr blaß aussehen. Ach was soll’s, runter damit, am besten gleich einen großen Schluck!


„Wow, puh...“ Hilfe, Feuer... es brennt in meinem Hals! Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz –und ich auch nicht!


Schön runterschlucken... so, jetzt fühl ich mich aber doch wieder etwas... geordneter, ganz ehrlich.


„Geht’s besser?“


„Ja, ich denke schon.“ Aber wenn du mich weiter so... durchdringend anschaust, ist das ganz schnell wieder vorbei! Irgendwie hab ich gerade ein Déjà-vu, dieser Blick kommt mir sehr bekannt vor... woher nur? Oh Gott, wie in meinem Traum damals! Hm, ich glaube, das ist so ungefähr das letzte, woran ich jetzt denken sollte, sonst ist gleich alles aus!


„Da bin ich ja froh...“, er lächelt freundlich, „Du scheinst dich ja überhaupt gut erholt zu haben in den letzten sechs Monaten. Du siehst fantastisch aus.“


Ach, ehrlich? „Dankeschön.“ Kann mir mal jemand verraten, wie ich es schaffen soll, ruhig zu bleiben und nicht rot zu werden, wenn SO ein Mann solche Dinge zu mir sagt??? Hm, vielleicht erstmal noch einen Schluck trinken.


„Sag mal, wie bist du überhaupt an diese... Niete geraten? Der sah nicht unbedingt sehr... geistreich aus. Ich könnte mir vorstellen, daß er entweder die ganze Zeit nur geprahlt oder über irgendeine Frau gejammert hat.“


Woher weiß er das nur? „Beides, um ehrlich zu sein. Du bist wohl ein großer Menschenkenner, was?“


„Ich bin ein plastischer Chirurg. Sagen wir mal so, es gibt eigentlich nichts, was ich noch nicht gesehen habe“, sagt er mit einem Grinsen.


„Oh, ja klar... das stimmt wahrscheinlich. Ach, ich weiß auch nicht, ich saß hier an der Bar und hab was getrunken, da hat er mich auf einmal angesprochen. Und dann bin ich ihn nicht nicht wieder losgeworden.“


„Hm, du siehst aber nicht aus, als wärst du auf den Kopf gefallen. Keine passende Ausrede parat?“


Ich zucke mit den Schultern. „Wahrscheinlich hab ich mich so sehr gelangweilt, daß sogar mein Gehirn eingeschlafen ist.“


„Na offensichtlich ist es dann wieder aufgewacht“, er lacht, „Du hast dir ja ein paar sehr ‚nette‘ Sprüche einfallen lassen.“


„Och... da hatte ich ja auch meinen ‚Freund‘ zur Unterstützung dabei. War ich wirklich so fies?“


„Kommt darauf an, auf welcher Seite man steht. Ich fand’s genau richtig, aber er hat das sicher anders gesehen.“


„Das sollte er ja auch. Naja, was soll’s, er ist weg und kommt hoffentlich nie wieder... Ich kann übrigens auch wirklich nett sein, wenn ich will.“ Ich finde, das sollte er wissen... oder?


„Davon bin ich überzeugt. Allerdings hoffe ich, daß du niemals sauer auf mich sein wirst, das könnte schlimm für mich ausgehen.“


„Warum sollte ich?“ Was meint er denn damit? Ich weiß ja nichtmal, ob wir uns nach heute überhaupt jemals wiedersehen...


„Ach, die Frauen haben im Allgemeinen die Angewohnheit, nach einiger Zeit sehr wütend auf mich zu werden...“, behauptet er mit einem Gesichtsausdruck, als könnte er kein Wässerchen trüben. Nur seine Augen... die sehen ganz und gar nicht unschuldig aus.


„Soso... ich bin aber nicht ‚die Frauen im Allgemeinen‘. Ich habe einen eigenen Kopf und nicht die Angewohnheit, anderen alles nachzumachen.“ Ich wüßte ja zu gerne, wo diese Unterhaltung noch hinführt...


„Gut zu wissen. Hoffentlich vergißt du’s nicht irgendwann.“


„Sicher nicht“, irgendwie komm ich mir ja ein bißchen vor, wie im falschen Film... naja, ich wird schon noch rausfinden, was das alles zu bedeuten hat. Irgendwann... „Und du... wieso hast du mir vorhin überhaupt geholfen? Ich meine, okay, wir haben uns in den letzten Monaten sehr oft gesehen, aber das war ja bloß ‘ne berufliche Sache. So gut kennen wir uns ja nun doch nicht.“


„Ich kann eine Frau in Not doch nicht einfach so stehenlassen, oder?“, lächelt er und zwinkert mir zu.


„Aha... also nur der männliche Beschützerinstinkt, hätte ich mir ja denken können“, ich muß lachen. So ganz ohne Hintergedanken? Ob ich ihm das abnehmen kann? Ich glaube nicht...


Hey, was tust du da eigentlich?

Boah, du!! Verschwinde gefälligst!!

Ganz sicher nicht, es ist allerhöchste Zeit für mich!

Ach, wirklich? Das sehe ich aber ganz anders. Du hättest dir keinen schlechteren Zeitp-

Du hast mir meine Frage nicht beantwortet.

Hä? Was ich hier mache? Mich unterhalten, das siehst du doch...

Ja, aber mit WEM!!!

Na, mit Christian... und sag bloß nichts, wir sind jetzt per du, also darf ich ihn so nennen!

Das habe ich auch mitbekommen! Ich wollte dich nur darauf hinweisen, daß du gerade einen riesigen Fehler machst.

Bitte was??? Ich REDE, was ist denn daran falsch???

Nein, du gräbst dir gerade selbst eine Grube...

Was quasselst du denn da?

...und du wirst reinfallen.

Also, so langsam hab ich wirklich genug von dir!! Entweder du erklärst mir jetzt, was das soll, oder du verschwindest.

Du weißt ganz genau, was ich meine...

Ach, hau ab!!!


„Hast du irgendwas?“


„Hm? Nein, eigentlich nicht, wieso?“ Ich möchte nur gerade jemandem mit Freuden den Hals umdrehen...


„Du sahst gerade so abwesend aus und jetzt machst du ein Gesicht, als wolltest du jemanden umbringen.“


Verdammt! Bin ich wirklich so leicht zu durchschauen? Ich glaube, ich muß mir schnellstens ein Pokerface zulegen... und zwar eins, das auch funktioniert!


Und was soll ich jetzt dazu sagen? ‚Ach, das war nichts, ich mußte nur mal kurz mein Gewissen ruhigstellen, weil es mich in irgendwelche philosophischen Gespräche verwickeln wollte‘? Also, irgendwie geht das so gar nicht...


„Ach, hm, nicht so wichtig, ich hab nur gerade an was gedacht. Ich hab manchmal solche ‚Abwesenheitsanfälle‘. Einfach nicht beachten.“


Mann, das hab ich jetzt nicht wirklich gesagt, oder? Kann ein Mensch sich noch blöder vorkommen? Aber was soll ich machen? Zu dieser „Gewissen-Sache“ fällt mir sowieso schon nichts mehr ein und daß er mich so durcheinanderbringt, ist auch nicht gerade hilfreich...


„Stress bei der Arbeit? Was machst du noch gleich? Innenarchitektin, oder?“


Erstaunlich, daß er das behalten hat! „Ja, genau. Aber nein, kein Stress. Jedenfalls nicht mehr, als sonst auch. Ich hab eigentlich immer viel zu tun. Und es gibt immer wieder tausend Dinge, die schief gehen könnten. Und selbst wenn sie es nicht tun, bis zum Ende eines Projekts sitze ich immer wie auf Kohlen, oder eher: stehe.“


„Also, für mich hört sich das aber doch nach Stress an.“


„Ist es ja im Prinzip auch, aber ich bin es gewohnt. Und im Moment ist es eigentlich ziemlich ruhig, die Pannen halten sich in Grenzen.“


„Vielleicht hättest du ja trotzdem Lust auf etwas Abwechslung. Am Freitag ist der Ärzteball und Sean und ich werden natürlich hingehen...“


Egal, was jetzt kommt, sag nein!

Ich hör nicht zu...

Das solltest du aber, merkst du denn nicht, was hier-

Lalala...


Was wird das jetzt? Doch nicht etwa... eine Einladung??? Es sieht mir ja fast danach aus... aber vielleicht fantasiere ich ja auch nur... so langsam zeigt der Alkohol doch seine Wirkung. Ich hab ganz weiche Knie und warm ist mir auch. Das kann natürlich alles auch an IHM liegen...

Wenn das jetzt wirklich eine Einladung wird, was mache ich dann nur?


Nein sagen, was sonst?

Geht’s dir noch gut? Ach ja, ich hör ja gar nicht zu, hatte ich gerade vergessen...

Kannst du nicht einmal auf mich hören?

Wieso sollte ich? Du willst mir doch nur immer den Spaß verderben und vorhin hättest du mich am liebsten mit diesem Idioten verkuppelt!

Aber das hier... das kannst du einfach nicht tun!!

Oh, du wirst gleich sehen, was ich alles kann!


„...er wird natürlich seine Frau mitnehmen, aber ich bräuchte noch eine weibliche Begleitung. Würdest du vielleicht...“


NEIN!!!


„Ja. Ich würde wirklich sehr gerne mitkommen.“



08-09-2005 11:22 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 8


Christian


Was tue ich hier eigentlich? Wie konnte ich nur so dämlich sein, sie zu diesem verdammten Ärzteball einzuladen? Sean wird mir den Kopf abreißen! Der mit seinen ewigen „Nicht mit einer Patientin“- Vorträgen! Dabei hatte er doch selbst eine Affäre mit einer Patientin... die zugegeben sehr traurig ausgegangen ist, aber trotzdem. Er hat es getan.


Hm, eigentlich ist sie ja gar keine Patientin mehr... nur eine „Ehemalige“, wenn man das so sagen kann. Vielleicht wird er da ja mal ein Auge zudrücken... nein, nicht Sean! Er kann manchmal so furchtbar pingelig sein, vor allem, wenn es um seine sogenannte „Moral“ geht. Wo hab ich mich da nur wieder reingeritten? Ach, zum Teufel mit dir, Sean! Ich bin ein erwachsener Mann und kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn’s ihm nicht paßt, sein Pech!


Aber kommen wir zurück zu Frage Eins: warum? Ich könnte jede x-beliebige mitnehmen... irgendeine Frau, keine Patientin... ich würde mir eine Menge Ärger ersparen. Aber nein, ich mußte ja sie fragen! Was habe ich mir nur dabei gedacht? Und überhaupt... was ist das hier eigentlich? Wir reden nur... und ich amüsiere mich trotzdem? Kommt dieser Teil nicht eigentlich erst später?

Und nach diesem einfach nur ätzenden Tag, an dem mal wieder Jeder meinte, völlig grundlos auf mir herumhacken zu müssen, könnte ich eine Portion richtig guten Sex wirklich gut gebrauchen! Aber ich habe noch nichtmal darüber nachgedacht, wie-


Ja, genau... du könntest wirklich langsam mal anfangen, dir einen Plan zurechtzulegen.

Plan? Ach so, ja... der Plan... hm

Was ist? Etwa keine Lust? Du weißt so gut, wie ich, daß sie auf dich steht und daß schon seit dem Tag, an dem sie in der Praxis aufgetaucht ist.

Ja, sicher... aber ich weiß nicht... mir ist nicht nach irgendwelchen Plänen...

Was ist denn los mit dir, Mann? Sie ist eine Frau, also nimm sie dir... wie immer.

Warum so ungeduldig? Können wir nicht einfach mal abwarten, wie der Abend sich noch entwickelt?

Abwarten? Sonst kann’s dir doch auch nicht schnell genug gehen! Meistens bist du doch schon nach drei Sätzen angeödet und willst sie –wer auch immer das in dem Moment ist- nur noch ins Bett kriegen und das war’s. Oder... kriegt der große Christian Troy etwa plötzlich ein Gewissen??!!

Willst du damit etwa sagen, ich hätte keins?

In Bezug auf Frauen... nein! Und es gibt keinen Grund, das jetzt einreißen zu lassen...

Das tu ich ja auch gar nicht. Sie ist eine Frau wie jede andere... aber wenn ich schon mal zur Abwechslung ein Gespräch führen kann, das mich nicht „nach drei Sätzen anödet“, wie du das ausdrückst, warum soll ich das dann nicht tun?

Wie du meinst...


Eine Frau wie jede andere... ja, genau, das ist sie... oder nicht? Nicht ganz... Auch wenn sie ganz offensichtlich auf mich steht, sie hat nie versucht, sich an mich heranzumachen... wie so viele andere und das manchmal noch auf eine ziemlich plumpe Art und Weise.

Ein bißchen verrückt scheint sie zu sein... aber das ist durchaus sympathisch. Und überhaupt... verrückt... wer ist das nicht? Wenn sie wüßte, was ich hier gerade für Diskussionen mit mir selbst hatte, würde sie mich wahrscheinlich für komplett durchgedreht halten... Nicht, daß das überhaupt wichtig wäre.

Und sie bringt mich zum Lachen. Auch in der Zeit, als ich sie noch behandelt habe, ist das oft passiert. Und damit meine ich, wirklich zum Lachen gebracht. Nicht das Lachen, das ich benutze, um eine Frau schneller ins Bett zu kriegen, sondern echtes Lachen. Von wie vielen Menschen –insbesondere Frauen- kann ich das schon behaupten?


Mensch, du denkst heute aber wirklich eine Menge nach! Das kenne ich gar nicht von dir.

Könntest du mich nicht mal für fünf Minuten in Ruhe lassen? Was ist denn das auf einmal? Sonst mischst du dich doch auch nicht ständig ein.

Sonst... ja... sonst benimmst du dich auch nicht so völlig... unnormal.

Ich benehme mich überhaupt nicht unnormal. Seit wann ist es verboten, ein paar Gedanken zuende zu denken?

Verboten ist es nicht, jedenfalls nicht im Allgemeinen. Nur du verbietest es dir selbst immer... naja, fast immer. Und bisher bist du damit auch gut gefahren.

Ich habe auch nicht vor, irgendwas zu ändern, klar?

Du tust es doch schon...

Ganz und gar nicht.

Mir scheint, der Herr protestiert ein wenig ZU viel...

Jetzt sei doch ruhig. Es hat sich nichts geändert und es wird sich auch nichts ändern, verstanden? Niemals...


Was ist das nur heute? Jetzt fange ich schon an, mir selbst auch noch auf die Nerven zu gehen... das muß aufhören, und zwar sofort, sonst vergesse ich am Ende noch, daß ich nicht alleine hier stehe...


„Alles okay?“


„Ja, sicher, wieso auch nicht?“ Jetzt hat sie wirklich schon was gemerkt... und ich bin eigentlich sehr geübt darin, mir meine Gefühle, oder wie immer man diese Selbstgespräche nennen will, nicht anmerken zu lassen.


„Naja, jetzt warst DU derjenige, der abwesend gewirkt hat.“


Wo hat sie nur dieses... wissende Lächeln her? Als wäre ihr klar, was-... darüber werde ich jetzt lieber nicht weiter nachdenken. Hmm, ihr Glas ist ja leer...


„Möchtest du noch Einen?“ Das kam ja schon fast automatisch! Ich bin doch schon ziemlich... abgebrüht.


Na siehst du, es geht doch!

Verdammt, halt endlich die Klappe!!!


„Ja? Okay... Könnten wir noch zwei davon bekommen, bitte?“ Jetzt brauche ich auch Einen! Warum ist das heute nur so... kompliziert?


Weil du es kompliziert machst.

Hatte ich nicht gesagt, du sollst die Klappe halten?!!

Ja, aber jetzt werde ich mich nicht daran halten. Du bist dabei, alles umzuwerfen, was immer gut funktioniert hat... Aber noch ist es ja nicht zu spät. Du kannst es immernoch wieder in die richtigen Bahnen lenken. Und mal ganz nebenbei gesagt... guck sie dir doch an... es könnte sich lohnen!

......................


Ja, genau, einfach nicht antworten, nicht mehr darauf eingehen! Dann hört das vielleicht endlich auf... Obwohl es vermutlich stimmt, daß es sich lohnen könnte. Auf jeden Fall ist sie sehr attraktiv! Die langen dunklen Haare, die bronzebraune Haut... und ein Wahnsinnskörper... genau richtig proportioniert! Insgesamt sieht sie sehr südländisch aus, nur die blaugrünen Augen passen nicht so richtig dazu... das macht die Gesamtwirkung aber nur noch interessanter. Sie war ja schon immer hübsch, auch vor der Operation... aber jetzt: eine glatte Zehn!


Sag ich doch...


Bloß nicht zuhören! Ich glaube, ich werde erstmal einen Schluck trinken, vielleicht bringt das diese Nervensäge endlich zum Schweigen. Oder es macht’s nur noch schlimmer... aber das werde ich ja dann merken.


„Wie kommt es eigentlich, daß du ausgerechnet heute und dann auch noch genau im richtigem Moment hier aufgetaucht bist. Nicht, daß ich das nicht als durchaus glücklichen Zufall betrachten würde...“, sagt sie und grinst mich verschwörerisch an.


„So zufällig war das gar nicht. Ich komme fast jeden Tag nach der Arbeit hierher, das hier ist eigentlich meine Stammbar...“, um Frauen aufzureißen... nur heute anscheinend nicht. Oder doch?, „Also liegt der Zufall wohl eher auf deiner Seite.“


„Ja, wahrscheinlich. Ein paarmal war ich schon hier, aber ich habe diesen Club erst vor kurzem entdeckt. Naja, eigentlich war es Will, der ihn entdeckt hat und er hat mich gnadenlos mitgeschleift“, sie lacht, „Allerdings gefällt es mir hier, das muß ich schon sagen.“


„Will... war das nicht der, der dich damals nach der OP besucht und dich dann ein paar Tage später auch von der Praxis abgeholt hat?“ Ich fass es nicht, daß ich das alles behalten habe... normalerweise interessiere ich mich noch nichtmal für „ihren“ Nachnamen...


„Ja, genau der. Wir arbeiten zusammen und wir sind schon seit der Highschool beste Freunde. Auch wenn er mir manchmal tierisch auf die Nerven geht, ich liebe diesen Mann.“


„Du liebst ihn? Heißt das, ihr seid... zusammen? Du hast zwar gesagt, ihr wärt beste Freunde, aber das eine schließt das andere ja nicht aus, oder?“


Was hab ich denn gesagt? Erst guckt sie mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle und jetzt fällt sie fast vom Barhocker vor lachen! Sie hat ja schon Tränen in den Augen!


„Sorry, aber-... haha, das ist gut! Will und ich!! Nein, also das... hahaha...“


„Was ist daran so komisch? Er ist doch ein gutaussehender Kerl, das heißt, wenn man auf Männer steht.“


„Ja, das ist er allerdings... ich war am Anfang der Highschool furchtbar verknallt in ihn, aber ich hatte nie eine Chance, weil er schon damals wie heute durch und durch schwul war. Da war nie was, ist nichts, und wird auch nie etwas sein!“


„Ach so, na dann...“, wieso beruhigt mich das jetzt? Ach, Unsinn, ich war doch überhaupt nicht beunruhigt!, „Man merkt es ihm aber nicht an.“


„Nein, er benimmt sich nicht besonders ‚tuntig‘ oder so, naja, meistens jedenfalls“, erklärt sie, immernoch grinsend, „Nur manchmal kann er etwas überschwänglich sein, was eigentlich sehr süß ist. Und er kennt mich einfach viel zu gut... ich kann froh sein, daß er jetzt nicht hier ist, sonst müßtest du dir garantiert ein paar fürchterliche Dinge über mich anhören.“


„Ach, so schlimm kann es doch gar nicht sein.“


„Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher...“, murmelt sie und sieht mir direkt in die Augen. Das tut sie nicht oft, aber wenn... eigentlich hat sie wunderschöne Augen. Und ihr Blick ist offen und gleichzeitig ein bißchen schüchtern. Trotzdem liegt unterschwellig etwas Leidenschaftliches darin. Eine sehr anziehende Kombination...


„Ich, ähm... ich gehe mir mal kurz die Nase pudern. Nicht weglaufen, okay?“


„Okay.“


Sie nimmt ihre Handtasche und läßt sich vom Barhocker gleiten. Ich sehe ihr nach, als sie sich zwischen den anderen Menschen hindurchbewegt. Sie hat einen geschmeidigen Gang, sehr sexy, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie selbst sich dessen bewußt ist. Ihr hübscher runder Hintern zeichnet sich unter dem schwarzen Stoff ihres knielangen schwarzen Kleids ab. Ein kleines bißchen unsicher auf den Beinen scheint sie aber doch zu sein... das liegt sicher am Alkohol.


Ich drehe mich weg und stütze mich mit den Ellenbogen auf die Bar. Während ich noch einen Schluck aus meinem Glas trinke, überlege ich, was ich jetzt tun werde. Ich muß eine Entscheidung treffen. Die Entscheidung, ob ich diesen Abend so enden lasse, wie die unzähligen anderen davor, oder nicht.


Du weißt, was zu tun ist...


Ja, ich weiß es, aber was ich nicht weiß, ist, ob ich das überhaupt will... doch was spricht schon dagegen? Schließlich ist sie nur eine Frau wie alle anderen...



08-09-2005 11:25 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 9


Puh, gerade noch rechtzeitig! Wenn er mir auch nur noch eine Sekunde länger so in die Augen... dann hätte ich ihn jetzt sofort, auf der Stelle...


Also, da hätte ich ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt!

Du? Du hast überhaupt nichts mehr zu melden... das, was du dir heute abend geleistet hast, reicht für die nächsten drei Wochen... mindestens.


Hm, mal einen Blick in den Spiegel werfen... wenn ich schon behaupte, ich müßte mir die Nase pudern (das war ja auch mal wieder... naja...), dann kann ich ja wenigstens mal nachgucken, ob noch alles da ist, wo’s hingehört...


Hmmm, also diese knallrote Farbe gehört definitiv nicht in mein Gesicht!! Boah, da kann ich ja nur froh sein, daß es im Club nicht besonders hell ist... Gott, wie peinlich!!! Aber, hm... also, was kann ich denn dafür, daß dieser Mann so unglaublich... heiß ist???!!! Und daß das irgendwie auf mich überzugehen scheint?

Außerdem hab ich so das Gefühl, ich bin nicht mehr wirklich nüchtern... auch das noch. Jetzt kann ich auch noch aufpassen, daß ich nicht auf einmal anfange zu lallen, oder zu schwanken und zu stolpern. Na klasse! Denn daß das nicht immer klappen wird, darauf kann ich jedem Brief und Siegel geben... So eine Scheiße!!!


Soviel zum Thema „Eindruck machen“... hmmm, vielleicht einfach erstmal ein bißchen kaltes Wasser ins Gesicht? Es KÖNNTE ja helfen...


Ich weiß was, was noch viel besser helfen würde... wenn du gar nicht erst so viel getrunken hättest!

Haha! Sag mal, versuchst du, irgendwie witzig zu sein? Dann laß dir eins sagen: es funktioniert nicht!

Witzig? Sicher nicht... ich meinte das ganz ernst.

Pfff, und was nützt mir das jetzt? Es ist zu spät, okay? So, nochmal langsam, damit auch du das kapierst: ZU. SPÄT. Verstanden?

Ich bin ja nicht bescheuert-

Ach, wirklich? Ist mir noch gar nicht aufgefallen...

Hrmpf!


Sooo... wo war ich? Diese Nervensäge muß mich aber auch immer aus dem Konzept bringen! Ach ja, Gesicht, kaltes Wasser, schon klar. Hmmm... ob das wirklich so ne gute Idee ist? Nachher spritz ich das noch sonstwohin, nur nicht dahin, wo es eigentlich sollte... was letztendlich noch viel peinlicher wäre, als ein Tomatengesicht! Also laß ich das vielleicht doch lieber... oder nicht? Doch...


Oh oh, ich denke eindeutig zu viel über solche Unwichtigkeiten nach! Deutliches Zeichen dafür, daß ich betrunkener bin, als ich gedacht hatte... ich versteh das gar nicht... sooo viel hatte ich dann ja nun doch nicht. Hmmm, vielleicht liegt das an Christian... seine Anwesenheit, allein schon der Gedanke an seine Anwesenheit macht mich betrunken... oder sowas ähnliches.


Noch ein Grund mehr, sich von ihm fernzuhalten!

Ach Mensch, jetzt laß mich doch in Ruhe... ich hab keine Lust mehr, mich mit dir zu streiten. Und irgendwie auch nicht mehr die Energie dazu...

Da gibt’s eine ganz einfache Lösung: hör auf mich, geh nachhause, leg dich ins Bett und dann verschwende nie wieder einen Gedanken an diesen Mann!

Okay, ich seh schon, wir müssen doch streiten! Das werde ich nämlich ganz bestimmt nicht tun! Was hast du nur gegen ihn...?

Erstens: er ist ein Weiberheld! Zweitens: er ist ein Weiberheld! Drittens: er ist ein-

...Weiberheld! Du wiederholst dich! Und ich muß zugeben, so langsam geht mir die Geduld aus! Woher willst du das überhaupt wissen?

Ach, ich bitte dich! Das sieht doch ein Blinder mit Krückstock... und du weißt es auch.

Hmm, da wär ich mir nicht so sicher... aber selbst wenn... na und? Wer sagt, daß ich ihn morgen heiraten und drei Kinder, zwei Hunde und ein Reihenhaus mit ihm haben will? Vielleicht will ich ja nur ein bißchen Spaß haben... oder auch jede Menge Spaß, wenn du’s genau wissen willst...

Du??? Nur Spaß haben??? Das ist der beste Witz, den ich jemals gehört habe!!! Du würdest dich doch sofort in ihn verlieben... wahrscheinlich tust du es jetzt schon... Nein, du könntest das niemals trennen, nicht du!!!


„Wer weiß, vielleicht überrasche ich dich ja...“, ich merke nichtmal, daß ich die Worte tatsächlich ausspreche, wenn auch nur leise.


Okay, noch ein letzter Blick in den Spiegel, dann stürze ich mich wieder in den „Kampf“. Hm, jetzt sehe ich schon wieder eher blaß aus... was ist das heute bloß? Diese Schwankungen hält ja kein Mensch aus! Und mein dämliches Gewissen muß mich natürlich immer in den unpassendsten Momenten zum Nachdenken bringen... aber darauf werde ich mich jetzt nicht einlassen, keine Chance! Ich will nicht nachdenken, nein, ich will nicht! Will nicht...-


KRACH!


AUTSCH!!! Aua, aua, AUA!!


Seit wann ist denn da eine-...? Oh Mann, vielleicht hätte ich die Tür zuerst AUFMACHEN sollen... aua, verdammt!! Mein Kopf... hat der heute nicht schon genug gelitten? Na hoffentlich gibt das jetzt keine Beule... das hätte mir gerade noch gefehlt. Aber bei meinem Glück...


Jetzt brummt mir auch noch der Schädel... das kann ja alles nur schiefgehen! Wie soll ich jetzt noch einigermaßen klar denken können? Nicht, daß ich darin heute überhaupt besonders gut gewesen wäre... schon gar nicht in den letzten Minuten...


Okay, Christina, reiß dich zusammen! Du wolltest hier raus, also schaffst du das auch! Immer schön einen Schritt nach dem Anderen... dann wird das schon klappen... irgendwie... Sooo, und jetzt noch die Türklinke... na bitte, geht doch!


Boah... war das eben auch schon so laut hier? Seit wann werde ich denn von jedem Beat so durchgeschüttelt? Und seit wann stört mein Kopf sich so daran? Hm, es könnte ruhig ein bißchen heller sein... ich kann ja kaum was erkennen... ugh! So hell nun auch wieder nicht! Verdammte Scheinwerfer! Müssen die sich bewegen??? Davon wird einem ja ganz schw... okay, am besten Mal kurz stehenbleiben und alles ordnen... soweit das noch geht...


Hmm, wo ist denn Christian? Ist er vielleicht doch gegangen? Naja, wundern würde es mich nicht... ich weiß gar nicht, wie lange ich eigentlich da dringeblieben bin... wahrscheinlich eine Ewigkeit... oder nur fünf Minuten, irgendwie ist mir das alles nicht mehr so ganz klar...


Ach, da ist er ja! Mann, ich muß wirklich ziemlich durch den Wind sein, wenn ich IHN schon übersehe... So, jetzt aber nochmal sammeln und zwar gründlich! Nicht vergessen, einen Fuß nach dem Anderen... links... rechts... links... rechts... links... und bloß nicht hinfallen! Nicht stolpern... nicht stolpern... nicht stol-


PLUMPS!


Oder... doch nicht???


„Whouw, whouw, nicht so stürmisch... dafür ist doch auch noch später Zeit.“



08-09-2005 11:27 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 10


Christian


„Was? Äh, d-danke“, murmelt sie, als sie sich –offensichtlich wider Erwarten- in meinen Armen wiederfindet, anstatt auf dem Boden.


Sie rechtzeitig aufzufangen, das war nicht das Problem... schon als sie wieder auftauchte, ist mir aufgefallen, daß sie etwas... orientierungslos wirkte. Die Art, wie sie ihre Schritte sehr vorsichtig setzte und permanent auf den Boden starrte –bis auf eine kurze Unterbrechung, als sie sich anscheinend nach mir umsah- waren Anzeichen genug. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie das Gleichgewicht verlor...


Ich frage mich, warum sie plötzlich so neben der Spur ist... als sie gegangen ist, war das noch nicht halb so schlimm. Ob die Wirkung des Alkohols so schnell zugenommen hat? Oder war da noch was anderes?


„Bist du okay?“


„Ich? Hm, ja, ich glaub schon...“, murmelt sie und reibt sich die Stirn, „Huh... Gott, wie peinlich! Tut mir leid...“


„Ach, mach dir nichts draus... du bist nicht die Erste, der das passiert“, ganz genau... und normalerweise wäre das jetzt der Zeitpunkt, mich höflich zu verabschieden, weil unter diesen Umständen sicher nichts mehr gehen würde. Ja, normalerweise... „Am besten, du setzt dich erstmal hin. Möchtest du ein Glas Wasser?“


Sie nickt und ich bestelle ihr das Gewünschte. Warum tue ich das eigentlich? Ach, ist doch egal...


„Danke“, sagt sie, als das halb gefüllte Glas schließlich vor ihr steht, aber sie blickt trotzdem etwas mißtrauisch in die klare Flüssigkeit.


„Keine Angst, es ist wirklich nur Wasser“, versichere ich ihr und kann mir ein etwas schiefes Grinsen nicht verkneifen. So weit ist es also schon gekommen...


Könntest du nicht endlich aufhören, dir solche Gedanken zu machen? Das geht einem ja tierisch auf die Nerven!

Ich kann mich nicht erinnern, dich um deine Meinung gebeten zu haben...

Ich warte auch nicht, bis ich gefragt werde! Ich rede, wann es mir paßt!

Na, das tut mir ja leid, aber mir paßt es gerade überhaupt nicht, also sei ruhig!

Bitte, wenn du’s unbedingt so willst... ich wüßte nur gerne, was du hier eigentlich tust... das ist nicht deine Art, ganz und gar nicht...

Du hast ja recht... und ich weiß selbst nicht so genau, was ich hier tue... aber eigentlich geht dich das einen Scheißdreck an, also laß mich jetzt gefälligst in Ruhe!

Wie du willst... ich hoffe nur, du wirst ganz schnell wieder normal, das ist ja nicht auszuhalten!


Jaja, red du nur... für dich ist immer alles ganz einfach... oder ist es das für mich? Ja, ist es wohl... beziehungsweise, war, denn jetzt... ist es das irgendwie nicht mehr, jedenfalls nicht im Moment. Oder mache ich es nur unnötig kompliziert? Warum gehe ich nicht einfach? Was hab ich von diesem Abend schon noch zu erwarten? Das, was ich normalerweise bekomme, ganz sicher nicht.

Aber ich kann nicht gehen. Und warum nicht? Wie viele Frauen habe ich denn schon stehenlassen, weil sie nicht mehr in der Lage waren, mir das zu geben, was ich wollte? Um mir dann eine Andere zu suchen, die genau das konnte? Ich weiß es nicht mehr...

Und es war mir egal... die eine Frau stehenzulassen, die Andere zu nehmen... nichts davon war wichtig, das einzige, was zählte, war ich. Ich und meine Befriedigung. Die nie sehr lange anhielt... vielleicht bis zum nächsten Abend und dann ging das Spiel wieder von vorne los... Und daran hat sich auch nichts geändert. Ich weiß immernoch, was ich will und ich weiß auch, daß ich es nicht bekommen werde, wenn ich jetzt hierbleibe. Aber trotzdem...


Jetzt hör sofort damit auf! Ich ertrage das nicht mehr!

Dann hör doch weg!


„Besser?“, frage ich sie, nachdem sie einen Schluck getrunken hat und ihr Gesicht, das eben noch ziemlich blaß ausgesehen hat, wieder etwas Farbe bekommt.


„Ja“, sie nickt, doch irgendwie habe ich das Gefühl, daß sie mir nicht ganz die Wahrheit sagt. Und sie reibt sich immer wieder die Stirn... als hätte sie Schmerzen.


„Irgendwie kann ich dir nicht so ganz glauben. Hast du vielleicht Kopfschmerzen?“


„Ich? Nein, wieso... ach, was soll’s... doch. Naja, nicht so direkt...“


„Nicht so direkt? Also, das mußt du mir schon etwas genauer erklären.“


„Ich habe nicht einfach Kopfschmerzen, ich bin-... nein, das kann ich dir einfach nicht erzählen“, sie schüttelt leicht den Kopf und verzieht das Gesicht, „Dann hältst du mich garantiert für den größten Trottel der Nation.“


„Nein, diese Bezeichnung hat schon ein gewisser George W. aus Texas für sich reserviert“, erwidere ich und muß auf einmal grinsen, „Für dich ist höchstens noch Platz Zwei drin.“


Sie sieht mich etwas irritiert an, dann grinst sie auch. „Na gut... dann ist es ja vielleicht doch nicht so schlimm. Naja, bevor ich vorhin zurückgekommen bin, da... also eigentlich wollte ich schon früher wiederkommen, aber der erste Versuch ist komplett in die Hose gegangen... Ich, naja, ich-... bin voll gegen die Tür gelaufen“, gibt sie mit einem verlegenen Schulterzucken zu und ich könnte schwören, daß ihre Wangen sich rötlich verfärben.


Jetzt wird mir allerdings klar, warum sie plötzlich so verändert ist. Gegen die Tür gelaufen... also, so betrunken war sie doch wirklich nicht!


„Wo hattest du denn deine Augen?“, irgendwie ist die Vorstellung ja schon sehr komisch...


„Soweit ich weiß, da, wo sie immer sind: in meinem Kopf. Ich glaube, ich war einfach mit meinen Gedanken woanders, hab nicht aufgepaßt und schon... bums! Oh Gott, ist mir das peinlich!“


Sag mal, wird dir das nicht langsam zu viel? Erst die Sache nach der OP... und jetzt noch das. Reicht das immernoch nicht?

Ach, komm schon... für das nach der OP konnte sie ja nichts... in dem Moment wußte sie doch selbst nicht, was sie geredet hat... und daß sie ausgerechnet von mir... naja, das ist ja schon irgendwie schmeichelhaft. Und das jetzt... ach, so schlimm ist das nun auch nicht. Und sie hat es zugegeben, das muß ich ihr auch lassen. Ich kann mich nicht erinnern, daß eine von den... anderen mal so ehrlich gewesen wäre... und da ist garantiert nicht immer alles glatt gegangen, so von der Rolle, wie manche waren.

Ich geb’s auf! Du findest auch immer wieder ne neue Ausrede!

Ausrede?

Nicht zu verschwinden.

Und? Was dagegen?

Ehrlich gesagt, ja! Aber du hörst heute ja sowieso nicht auf mich.

Ach, hast du das auch schon gemerkt?

....................


„Hey... hey, was ist denn los? Alles in Ordnung?“ Blöde Frage... offensichtlich nicht. Sie sieht ja fürchterlich blaß aus!


„Ich-... ja, doch.... äh, nein. Mir ist irgendwie schwindelig. Alles ist so verschwommen...“


Das ist nicht gut. Überhaupt nicht gut! Ich stehe auf und lege einen Arm um ihre Taille, damit sie nicht noch vom Barhocker fällt.


„Komm“, fordere ich sie auf und ziehe sie vorsichtig hinunter, „Du brauchst erstmal frische Luft.“


Während ich sie immernoch festhalte, lege ich mir ihren rechten Arm über die Schulter und manövriere sie, nachdem ich noch eine ausreichende Menge Geld auf den Tresen gelegt habe, aus dem Club.


Draußen, am Rand des Parkplatzes, ist eine halbhohe Mauer, auf der ich sie sanft absetze. „So, bleib am besten erstmal hier sitzen und atme tief durch, das sollte für’s Erste helfen.“


Sie tut es und schließt für eine Weile die Augen. Ich blicke auf sie hinunter und frage mich wieder einmal, was ich hier eigentlich tue. Was, zugegeben, eigentlich keinen Sinn hat, denn auch dieses Mal weiß ich keine Antwort darauf.


Mit einem leisen Seufzer lasse ich mich neben sie auf die Mauer sinken. Was für ein Abend!


„Tut mir leid“, murmelt sie und wendet mir dann das Gesicht zu, sieht mir in die Augen, „Ehrlich.“


„Was denn?“ Warum entschuldigt sie sich eigentlich dauernd?


„Na, daß ich dir den Abend versaut habe... so hattest du ihn dir sicher nicht vorgestellt.“


„Nein, da hast du schon recht“, beinahe muß ich lachen. Und wie recht sie hat!, „Aber mach dir darüber keine Gedanken, es ist schon okay... und nicht deine Schuld.“


„Nein, nur die meiner Blödheit. Ach, was soll’s...“, sie schüttelt ein wenig hilflos den Kopf und zieht plötzlich die Augenbrauen zusammen, „Autsch...“


„Laß mich das mal ansehen. Schön stillhalten, okay?“


„Zu Befehl, Herr Doktor“, verspricht sie und ihr Mund verzieht sich zu einem Grinsen. Hab ich ja erreicht, was ich wollte...


Ach, sind wir jetzt schon bei der Aufheiterungsphase?

Sei ruhig, ich muß mich konzentrieren.

Jaja... als ob das so schwierig für dich wäre. Du willst mich nur loswerden.

Oh, wie scharfsinnig du doch bist... und jetzt hau ab!


Sie zuckt kaum merklich zusammen, als meine Finger ihre Stirn berühren. Das muß ja doch schlimmer sein, als es zuerst aussah...


„Hmm, da ist schon eine Schwellung, sie ist zwar noch nicht besonders groß, aber du solltest das auf jeden Fall kühlen. Vielleicht wäre es besser, wenn du nachhause-...“


„Ich weiß... ich fühl mich auch nicht besonders gut. Ja, das sollte ich wohl wirklich.“


Sie steht ein wenig unsicher auf und ich merke sofort, daß das ihren Zustand nur verschlimmert. Sie schwankt ja beinahe!


„Hey, hey... bleib sitzen. Ich werde jetzt ein Taxi rufen und dich dann nachhause bringen.“ Was hab ich da gesagt? Meine ich das wirklich ernst? Okay, geschehen ist geschehen...


Als das Taxi wenige Minuten später eintrifft, braucht es einiges an Unterstützung, um sie dort hineinzubekommen... aber schließlich schaffen wir es doch.


„Wohin soll’s denn gehen?“, erkundigt sich der Fahrer und blickt zwischen den Vordersitzen hindurch.


Ich wende ihr das Gesicht zu, um sie nach ihrer Adresse zu fragen, nur um gerade noch mitzubekommen, wie ihr Kopf an meine Schulter sinkt.


„Nicht doch... ich muß doch wissen, wo du wohnst, sonst wird das hier nicht funktionieren“, ich rüttele sie vorsichtig an der Schulter. Zu viele Erschütterungen sind sicher nicht gut für ihren Kopf.


Sie murmelt etwas, das nicht so ganz leicht zu verstehen ist, doch ich kann ihre Adresse noch heraushören. Das ist ja fast am anderen Ende der Stadt! Vielleicht wäre es besser, wenn ich-... meine Wohnung ist näher dran.


Das ist nicht dein Ernst! Du wirst sie doch jetzt nicht etwa... in dem Zustand...

Doch, genau das werde ich! Und wag es ja nicht, irgendwas zu fragen!


„Wohin denn nun?“, wiederholt der Taxifahrer, dessen Stimme jetzt doch etwas genervt klingt.


Und ich nenne ihm meine Adresse! Warum? Ich habe nicht die geringste Ahnung...



08-09-2005 11:29 Tante Steffi is offline Send an Email to Tante Steffi Homepage of Tante Steffi Search for Posts by Tante Steffi Add Tante Steffi to your Buddy List Add Tante Steffi to your Contact List

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Kapitel 11


Christian


Hmm, jetzt ist sie ja völlig hinüber... ob sie überhaupt noch irgendwas mitkriegt? Jedenfalls, mit laufen wird das nichts mehr. Also tragen... na gut.


Ich sollte aber vorher schon noch die Tür aufschließen, mit ihr auf dem Arm könnte das sonst etwas schwierig werden. Na na, das kurze Stück wirst du schon noch schaffen!


Gut, okay, die Tür hätten wir, dann kann’s ja weitergehen. Wo bring ich sie jetzt hin? Am besten ins Schlafzimmer...


Könntest du mir jetzt endlich mal erklären, was zum Teufel das hier eigentlich werden soll?!!!

Mann, bist du wahnsinnig??? Willst du vielleicht, daß ich sie fallenlasse???!!!

Nicht im wörtlichen Sinn, aber...

Hast du immernoch nicht gemerkt, daß es jetzt keinen Sinn hat, mit mir zu diskutieren? Ich tue, was ich tue, und warum ich das tue, kann dir verdammt nochmal egal sein, basta!

Ist es aber nicht...

Warum hör ich dir überhaupt noch zu?


So langsam fangen diese Gespräche an, an meinen Nerven zu zerren... als ob dieser Abend alleine nicht schon genug wäre. Nichts ist so, wie es eigentlich sein sollte, ich eingeschlossen. Vielleicht ist es ja nur eine Phase... aber verstehen muß ich das nicht.


Nun gut, auch wenn es mir an Erklärungen mangelt, es ändert nichts daran, was ich getan habe, gerade tue und jetzt wohl auch weiterhin tun werde... mich um sie kümmern.


Ich trage sie die letzten paar Schritte ins Schlafzimmer und lege sie vorsichtig auf meinem Bett ab. Dieses Bett, das schon so Viele kommen und gehen gesehen hat, das –wenn es sprechen könnte- unzählige, teilweise haarsträubende Geschichten zu erzählen hätte. Doch etwas wie das hier wäre nicht dabei... eigentlich traurig.


So, jetzt werde ich mir ihre Stirn lieber erst nochmal ansehen... hmm, die Schwellung scheint zugenommen zu haben und ein bißchen rot ist es auch... ok, dann werde ich jetzt mal was zum Kühlen holen.


Ich gehe in die Küche und öffne das Eisfach, wo ich Kühlakkus und ähnliches immer aufbewahre.


Hier muß doch irgendwo noch so ein Gelkissen-... ah, da ist es ja!


Ich nehme das Gelkissen heraus und wiege es einen Moment in der Hand. So direkt kann ich ihr das natürlich nicht auf die Stirn legen, das wäre definitiv ZU kalt. Am besten, ich wickle es in ein weiches, leicht angefeuchtetes Handtuch, dann ist es auch nicht mehr so hart.


Also gehe ich ins Badezimmer und nehme ein kleines, flauschiges Handtuch aus dem Spiegelschrank, wo ich immer ein paar davon liegen habe. Ich halte es unter den Wasserhahn, bis es vollständig nass ist und wringe es danach sorgfältig aus.


Mehr zufällig sehe ich in den Spiegel über dem Waschbecken und mein eigenes Gesicht blickt mir entgegen. Trotzdem habe ich das Gefühl, mich selbst nicht wiederzuerkennen.

Was ist nur los? Das alles paßt überhaupt nicht zu mir! Es ist Samstagabend, überall haben die Clubs geöffnet, fast jeder geht heute aus und die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt...


So viele Frauen sind da draußen, so viele Gelegenheiten für mich, ein paar anregende Stunden zu verbringen und meine „Eroberung“ danach wieder loszuwerden –wie immer...


Doch dieses „wie immer“ gibt es heute nicht –und das war meine eigene Entscheidung! Auch wenn mir nicht klar ist, was mich eigentlich dazu gebracht hat.


Anstatt mich draußen zu amüsieren, bleibe ich hier und spiele die Krankenschwester! Für eine Frau, an der ich nichtmal ein besonderes Interesse habe, beziehungsweise hatte... oder doch? Ja sicher, irgendwas war da schon, aber nichts, was über ein kleines Abenteuer hinausgeht...

Und trotzdem verhalte ich mich ihr gegenüber völlig anders, als ich es normalerweise tun würde. Wie gesagt, ich verstehe es nicht.


Mit dem Handtuch in der einen und dem Gelkissen in der anderen Hand mache ich mich auf den Weg zurück ins Schlafzimmer.

Sie liegt noch genauso da, wie vor ein paar Minuten. Fast wundere ich mich darüber, zwischenzeitlich hatte ich wirklich das Gefühl, eine Ewigkeit weg gewesen zu sein.


Ich setze mich auf die Bettkante und umwickle das Gelkissen mit dem Handtuch, bevor ich es sanft auf ihre Stirn drücke. Sie bewegt sich kaum merklich, als hätte sie die Berührung gespürt. Vielleicht hat sie das ja auch.

Danach bleibe ich noch sitzen und lasse meine Augen auf ihrem Gesicht ruhen. Sie ist wirklich hübsch... schön, um genau zu sein...


Hallo?!! Erde an Christian!! Merkst du eigentlich überhaupt noch was???

Kann ich heute eigentlich einmal einen Gedanken zuende bringen, und zwar in Ruhe?

Tut mir leid, aber das kann ich nicht zulassen. Du benimmst dich wie ein kompletter Idiot! Und... es ist zu gefährlich.

Gefährlich? Hast du vielleicht irgendwelche Mordpläne registriert?

Nein, das nicht, aber... obwohl, eigentlich doch. Du bist gerade dabei, deinem Leben den Todesstoß zu versetzen. Besser gesagt: deiner Art zu leben!

Ach wirklich... sehe ich zwar anders, aber wenn du meinst... bitte, hindere mich doch daran! Ich für meinen Teil gehe jetzt duschen!


***************************************************************************



Christina


Was-... wo- wo bin ich?


Vorsichtig setze ich mich auf. Aua... oh Mann, mein Schädel brummt wie eine Horde Hummeln! Und bin ich kürzlich zufällig von einer Dampfwalze überrollt worden? Könnte mir vorstellen, daß sich das ungefähr so anfühlt...


Hmm, was ist das hier für ein Schlafzimmer? Also, meins ist es schonmal nicht. Wieso kenn ich das nicht? Wurde ich gestern etwa entführt??? Verschleppt??? Als Geisel genommen??? Oder bin ich in der Gewalt eines Axtmörders???


Na na, ruhig Blut... da geht wohl mal wieder deine durchgeknallte Fantasie mit dir durch, Christina... Gut, du bist in einem fremden Schlafzimmer... und? Nicht, daß das noch nie vorgekommen wäre... kein Grund, gleich in Panik auszubrechen! Naja, wäre aber schon nett, zu wissen, wessen Schlafzimmer das hier ist und wie ich überhaupt hergekommen bin.

Hmm, denk mal scharf nach... was hast du gestern abend gemacht? Wo bist du gewesen und vor allem, mit wem? Was ist das letzte, woran du dich erinnerst?


Hmm, war da nicht ein Taxi? Und eine Schulter zum Anlehnen? Und dann... ja, dann war ich wohl weg. Wieso eigentlich? Oh Gott, ja, ich bin ja volle Kanne gegen die Klotür im Club gelaufen!!! Kann mir mal jemand verraten, wie ich sowas vergessen kann??? Naja, egal... schieb ich das einfach mal auf mein fürchterliches Hirnsieb. Genauso wie die Tatsache, daß ich mich bis eben gerade nicht daran erinnern konnte, daß Christian derjenige war, mit dem ich den Abend verbracht habe! Also wirklich, Christina, schäm dich... so einen Mann vergißt man doch nicht!


Bleibt noch die Frage, wieso ich hier bin... denn das hier muß wohl sein Schlafzimmer sein... klar, wessen denn sonst? Aber hat er nicht gesagt, er würde mich zu mir bringen? Warum bin ich dann hier? Ich merk schon, hier beißt sich die Katze in den Schwanz...


Ich habe ihm bestimmt nicht gesagt, er soll mich in seine Wohnung bringen. Geht auch gar nicht, ich war ja schon im Taxi völlig weggetreten. Und selbst wenn ich geistig anwesend gewesen wäre, ich hätte es ganz sicher trotzdem nicht getan. Das einzige, was ich noch wollte, war nachhause zu kommen...


Jaja, ich seh’s ja ein, ich kann mir diese Frage nicht selbst beantworten... schon gar nicht mit einem derartigen Brummschädel! Naja, zumindest kann ich ausschließen, entführt, verschleppt, oder sonstwie gewalttätig behandelt worden zu sein. Das ist ja schon mal ein Fortschritt. Ein Entführer hätte mir auch sicher kein in ein Handtuch gewickeltes Kühlkissen auf die Stirn gepackt.

Anscheinend hat er sich um mich gekümmert. Wie süß! Gibt schon mal ein paar dicke Bonuspunkte für dich, Christian! Auch wenn ich absolut keine Ahnung habe, warum du das getan hast...


Junge, Junge, aufrecht sitzen ist irgendwie anstrengend... ich glaub, ich leg mich lieber wieder hin. Noch ein bißchen schlafen wäre sicher auch nicht schlecht. Bestimmt ist es wer-weiß-wie-früh am Morgen!


Rrring! Rrrring! Rrrrring...!


Oder nicht? Das würde jedenfalls das Telefonklingeln erklären... Aber es soll ja auch Leute geben, denen es scheißegal ist, wann sie einen mit ihren Anrufen nerven und ob sie eventuell stören könnten...


Ob ich rangehen soll? Ist ja schließlich nicht mein Telefon... und es weiß auch garantiert niemand, daß ich hier bin, also ist es ganz sicher nicht für mich...


Boah, also, da ist aber einer sehr hartnäckig! Na gut, geh ich eben ran... bevor ich noch wahnsinnig werde...


„Hallo?“


„Wo zum Teufel steckt er??!!!“, eine wütende männliche Stimme. Eine SEHR wütende!


Aua... Geht das nicht leiser?


„Wer?“


„Wer wohl?? Der Kaiser von China!!“


„Bitte was??“


Könnte der vielleicht endlich mal die Lautstärke runterdrehen?


„Na, Christian natürlich!!“


„Christian?“ Wo der ist? Wirklich ne gute Frage... hier scheint er ja nicht zu sein.


„Ja, Christian... sagen Sie mal, sind Sie irgendwie schwer von Begriff? Nicht, daß mich das sonderlich überraschen würde!“


„Whouw, whouw... das ist ja nun nicht gerade die feine Art! Wie wär’s wenn Sie mir erstmal sagen würden, wer Sie überhaupt sind, bevor Sie anfangen, mich zu beleidigen?!!“


„Ich bin Dr. McNamara, sein Partner. Und er sollte schon seit fünfundvierzig Minuten hier sein, verdammt nochmal!!“


„Na also, geht doch! Aber es wäre wirklich nett, wenn Sie aufhören würden, mich so anzuschreien. Ich habe Ihnen nichts getan, soweit ich weiß.“


Und mein armer Kopf würde nen Luftsprung machen...


„Na gut“, resigniertes Seufzen, „Also, wo ist er?“


Was weiß ich? Bin ich sein Kindermädchen? Oh, da liegt ja ein Zettel...


Hey

Ich muß zu einer OP und wollte dich nicht wecken

Hoffentlich geht‘s deinem Kopf schon wieder besser

Ruh dich am besten noch etwas aus

Wenn du frühstucken willst, im Kühlschrank ist alles, was du brauchst


Christian



Och... okay, dann weiß ich ja wenigstens schon mal, wo er ist... oder sein sollte.


„Er... er müßte auf dem Weg zu Ihnen sein.“


„Oh, Mister ‚Ich-erscheine-wann-es mir-paßt‘ bequemt sich tatsächlich hierher?!! Das ist ja wirklich-...“


Ich halte den Hörer auf Armlänge von meinem Ohr weg. Bei der Aussicht auf noch einen derartigen Angriff beginnt mein Kopf lautstark zu protestieren!


Was muß der seine Wut denn an mir auslassen? Bin ich Christian? Nein. Bin ich schuld daran, daß Christian ganz offensichtlich zu spät zur Arbeit kommt und daß das nicht das erste Mal zu sein scheint? Nein. Bin ich nur zufällig das einzige menschliche Wesen, daß Sean McNamara gerade als seelischen Mülleimer benutzen kann? Ja, aber das heißt nicht, daß ich auch zuhören muß!


Hm, ist es da am anderen Ende der Leitung wieder ruhig geworden? Gut, dann kann ich’s ja wagen, mir den Hörer wieder ans Ohr zu halten... wenn auch unter Vorbehalt.


„Sagen Sie mal, wer sind Sie eigentlich?“


„Ich- ich-...“


Mist... ich kann ihm doch schlecht sagen, daß wir uns schon kennen... ich hab so das Gefühl, daß ihm das gar nicht passen würde, eine seiner Patientinnen frühmorgens in der Wohnung seines Partners anzutreffen... auch wenn’s nur über’s Telefon ist.


„Ach, vergessen Sie’s, ich kann’s mir sowieso schon denken. Er hat Sie also tatsächlich bei sich übernachten lassen? Ich glaub’s ja nicht!! Da haben Sie ja schon mehr bekommen, als all die anderen.“


Oh oh, mir scheint, da ist wieder Gefahr im Verzug! Und außerdem verstehe ich nur Bahnhof! Allerdings scheint ihm das ziemlich egal zu sein.


„Wie bitte? Wovon reden Sie denn?“


„Ach nichts, er schmeißt die Frauen nur normalerweise raus, nachdem er mit ihnen geschlafen hat. Mit der Begründung, er müßte früh operieren und bräuchte seinen Schlaf!! Dann kommt ihm sein Beruf plötzlich wieder gelegen!!!“


Peng!!! Aufgelegt!!


Puuuh... wollte ich das jetzt wirklich wissen?


10-02-2005 17:41 Chris is offline Send an Email to Chris Homepage of Chris Search for Posts by Chris Add Chris to your Buddy List Add Chris to your Contact List

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Kapitel 12


Christina


‚Ach nichts, er schmeißt die Frauen nur normalerweise raus, nachdem er mit ihnen geschlafen hat...‘


Mannomann, solche Auskünfte am frühen Morgen und auf leeren Magen sind definitiv zuviel!


Ich hab’s dir ja gesagt! Er ist ein verdammter Weiberheld, ein Arschloch!

Gott, jetzt fang du nicht auch noch wieder an...

Aber du weißt genau, daß ich recht habe. Also, auf auf!

Auf was?

Na, hau ab, verkrümel dich, mach dich vom Acker...!

Du verlangst ne Menge am frühen Morgen, weißt du das?

Wieso das denn? Weißt du nicht mehr, wie man alleine nachhause fährt? Also, das kann ich dir erkl-...

Halt die Schnauze, halt einfach die Schnauze!!! Dein hochnäsiges Gequatsche kann ich jetzt absolut nicht vertragen!! Eigentlich kann ich das nie, aber jetzt ganz besonders!!

Ich will dich doch nur retten...

Retten? Wovor denn? Soviel ich weiß, hab ich noch nichts getan...

Aber du wirst, mein Schatz, du wirst!

Was du nicht alles weißt! Kannst du neuerdings auch noch hellsehen?

Um das zu erkennen, brauche ich doch nur eins und eins zusammenzuzählen.

Und eins und eins ergibt bei dir was? Sex? Du hast sie doch nicht mehr alle!

Und du verwandelst dich in eine sabbernde Pfütze, sobald du Christian Troy auch nur siehst! Da brauche ich noch nichtmal eins und eins zusammenzuzählen!

Ach, eben gerade mußtest du das doch noch... und außerdem: Frechheit! Sabbernde Pfütze, also wirklich! Wag es nie wieder!

Wieso? Was wahr ist, muß wahr bleiben!


Oh Gott...!!! Mit einem verzweifelten Stöhnen grabsche ich nach dem Kissen und vergrabe meinen Kopf darunter. Kann diese verdammte Nervensäge nicht einmal ruhig sein? Auch dann, wenn ich zufällig nicht unter Narkose stehe? Aber ich fürchte, das wird für immer ein Wunschtraum bleiben...


Okay, ich sollte langsam wieder rauskommen, bevor ich mich noch aus Versehen selbst mit dem Kissen ersticke. Am liebsten würde ich einfach hier liegenbleiben und an nichts denken, vielleicht nochmal wieder einschlafen. Ich bin fürchterlich müde!!! Aber irgendwie kann ich jetzt doch nicht mehr schlafen.


Also aufstehen... na gut, wenn’s denn unbedingt sein muß...


Hmm, wo ist denn hier das Badezimmer? Ich glaube, ich versuch’s einfach mal mit der Tür da... Bingo! Volltreffer! Wow... wirklich sehr schön. Der Kerl hat Geschmack!


Und leider auch einen großen, groooßen Spiegel... Oh mein Gott, wie sehe ich denn aus??? Boah... schrecklich wäre eine gewaltige Untertreibung!!!


Blaß wie ne Leiche... rote, geschwollene Augen... mit sehr geschmackvollen dunkelgrauen Schatten drunter... ja, wirklich sehr nett... dazu noch völlig verstrubbelte, strähnige Haare... toll... ja, das ist er, der sogenannte „Fuck off-Look“... damit schlägst du garantiert jeden Typen in die Flucht!


Na, wenigstens hab ich keine Beule auf der Stirn, das hätte zu meinem Glück ja noch gefehlt. Naja, es tut noch ein bißchen weh, wenn ich drauffasse, aber sonst... Da hat Christian wirklich ganze Arbeit geleistet! Kleinigkeit für ihn, er ist hier ja schließlich der Arzt! Aber trotzdem... war schon lieb von ihm. Wenn er nicht gewesen wäre, würde ich einem Zombie jetzt noch ähnlicher sehen, als ich es ohnehin schon tue. Andererseits, wenn ich ihn gar nicht erst getroffen hätte, wäre ich jetzt garantiert auch nicht in so einem katastrophalen Zustand. So gleicht sich am Ende doch wieder alles aus, was?


Kommt mir das nur so vor, oder fange ich schon an, zu müffeln? Igitt...

Ich glaube, ich werde erstmal duschen. Hm, dann muß ich mir wohl mal ein Handtuch suchen... vielleicht da im Schrank. Ja, das sind eindeutig Handtücher, aber die reichen ja gerade mal, um meine Haare darin einzuwickeln... was nicht unbedingt heißt, daß sie allzu klein sind, ich habe sehr lange Haare... Aber trotzdem: ich brauche was Größeres.

Geh ich einfach mal im Schlafzimmer gucken, im Kleiderschrank hat er bestimmt noch mehr Handtücher.


Also wieder zurück und den Schrank aufgemacht... Wow! Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals eine so umfangreiche Sammlung an Anzügen und Hemden gesehen zu haben! Da ist ja wirklich für jeden Anlaß was dabei und in allen Formen und Farben. Naja, aber er ist auch so ein Typ, dem einfach alles steht. Er würde wahrscheinlich in einem dieser blauen Müllsäcke noch gut aussehen...


Aber da sind auch T-Shirts, Trainingshosen und –oh, Wunder!!- Jeans! Einige davon sehen meinen millionenmal getragenen Lieblingsjeans, von denen ich mich einfach nicht trennen kann, ziemlich ähnlich. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut... er wirkte immer so wie aus dem Ei gepellt. Aber wie jeder Mensch hat wohl auch er mehrere Seiten... und diese Seite gefällt mir sehr, muß ich schon sagen... Christian in Jeans... mmmh...


Was wollte ich nochmal? Ach ja, Handtücher! Also, in diesem Teil scheinen keine zu sein. Versuchen wir’s doch mal mit der anderen Tür.


Ich weiß, das spricht nicht gerade für mich, aber irgendwie finde ich es lustig, hier so „herumzuschnüffeln“, es macht Spaß! Aber bevor mich jetzt jemand lynchen möchte, ich tue ja nichts „Schlimmes“, soll heißen, ich würde nie –niemals!!- seine Wohnung durchwühlen, auf der Suche nach irgendwelchen persönlichen Gegenständen, wie zum Beispiel Tagebüchern (okay, sowas hat er vermutlich sowieso nicht, aber was Persönlicheres ist mir gerade nicht eingefallen).


Ah, hier sind ja welche, sehr schön! Oh ja, das ist definitiv groß genug, da hätte ich auch in meinem alten „Nilpferd-Zustand“ noch reingepaßt! Klasse!

Und was sehen meine entzückten Äuglein denn da? Einen Stapel schimmernde Satinbettwäsche, in champagner, bordeaux, caramel... Sowas hab ich zuhause auch. Und wieder mal beweist er Geschmack! Sehr gut!


Nicht, daß das jetzt sooo wichtig wäre... meinetwegen könnte er auch welche mit einem Blümchenmuster haben, das nichtmal meine Oma als Tapete benutzen würde... wär auch egal. Aber naja, so ist es dann doch besser (jaja, ich weiß, ich bin furchtbar oberfächlich...).


So, jetzt aber endlich ab unter die Dusche!


Erstmal aus dem Kleid pellen... ja, das war mal ein sehr schönes Kleid... bevor ich drin geschlafen hab. Jetzt hat es viele hübsche kleine Knitterfalten... naja, nichts, was sich mit einem Waschgang und ner Runde bügeln nicht beheben ließe. Vielleicht bring ich’s auch einfach in die Reinigung.... ich hasse bügeln!!


Aah, wundervoll... ich liebe warmes Wasser! Weckt doch gleich die Lebensgeister! Wie können manche Leute morgens nur kalt duschen? So wie Will zum Beispiel. Der stellt den Regler immer auf die Stufe „sibirisches Eisloch“. Brrr... da würde ich ja schon bei dem Gedanken wieder ins Bett kriechen. Naja, jedem das Seine, nicht wahr?


Ich bin dann doch mehr für die Stufe „sommerliches Mittelmeer“. Das mag daran liegen, daß ich zur Hälfte (väterlicherseits) aus Portugal stamme und in Miami lebe, oder auch einfach daran, daß ich ein absolutes Weichei bin. Sucht euch was aus!


Okay, Shampoo, Duschgel, alles da, super! Hm, ob ich die überhaupt benutzen kann? Mann, Christina, jetzt fang bloß nicht an, hier Gewissensbisse zu kriegen! Er hat dich schließlich in seine Wohnung „verschleppt“, also muß er auch damit rechnen, daß seine Sachen mit Beschlag belegt werden...


Die Frage wäre also geklärt, alles klar. Dann steht einer körperlichen Grundsanierung ja nichts mehr im Wege. Kann ich auch gleich noch ne Narbeninspektion dranhängen, wenn ich schon mal dabei bin...


Die an meinen Armen sind wirklich kaum noch zu sehen, genau wie die an meinen Oberschenkeln. Nur die an meinem Unterbauch braucht wohl noch etwas länger... naja, das ist ja auch die größte. Aber auch die beginnt schon zu verblassen. Alles in allem doch ziemlich respektabel. Ich sehe dem Spiegelbild aus meinem Narkosetraum schon ein ganzes Stück ähnlicher. Hätte ja nicht für möglich gehalten, daß das jemals passieren würde. Aber es soll ja angeblich täglich Wunder geben, also warum sollte da nicht auch eins für mich abgefallen sein? Jaja, ich glaube, ich hab ein Großes abgekriegt.


So, alles sauber? Haare ordentlich ausgespült? Gut, dann raus und abtrocknen. Am besten zuerst die Haare einwickeln, sonst tropfe ich hier noch alles voll... das muß ja auch nicht unbedingt sein, oder?


Oh ja, jetzt fühle ich mich besser, viel besser! Und der Blick in den Spiegel beschwört auch keine Erinnerungen an irgendwelche Gruselfilme mehr herauf. Hm, was ziehe ich jetzt an? Unterwäsche, klar... aber irgendwie hab ich jetzt keine Lust, meine Abendgarderobe wieder anzuziehen.


Also, dieser dunkelblaue Bademantel da am Haken sieht wirklich sehr gemütlich aus... direkt einladend. Ob ich einfach...? Ach, was soll’s! Er wird mir schon nicht den Kopf abreißen... und wie gesagt, es war ja schließlich nicht meine Idee, hierherzukommen.


Wie schööön, flauschig-weich, so wie ich das gern hab! So richtig zum Reinkuscheln! Mmmh, und er riecht frisch gewaschen! Ob er den am Ende gar für mich da-...? Okay, so weit werde ich dann jetzt doch nicht denken.


Okay, dann werde ich mich mal auf Erkundungstour machen... muß ja schließlich die Küche finden. Hm, das ist sie nicht. Nettes Wohnzimmer. Schwarzer Bodenbelag, abstrakte Bilder an den Wänden, helle Dreisitzer-Couch, zwei dunkelrote Ledersessel, ein kleiner quadratischer Couchtisch (weiß-hellgrau marmoriert) Flachbildfernseher... und eine Lampe mit fünf runden, diagonal angeordneten Leuchten. Hm, die Wände müßten nicht unbedingt weiß sein, ein eierschal- oder sandfarbener Ton würde dem Raum wesentlich mehr Wärme verleihen, aber ja, doch, chic!


Aah, da haben wir sie ja, die Küche! Sehr gut! So, als allererstes werde ich mir mal einen Kaffee machen, der wichtigste Bestandteil des Frühstücks (unnötig zu sagen, daß mein Frühstück manchmal nur aus Kaffee besteht, oder?).

Oh, super, Kaffee und Filter stehen direkt neben der Maschine, dann kann ich mir die Sucherei ja sparen!


So, Kaffeemaschine läuft, dann werde ich mich erstmal gemütlich an den Tisch setzen. Also, ich muß ja sagen, so modern und elegant seine Wohnung auch eingerichtet ist, sie wirkt doch etwas... unpersönlich. Nirgends hängen oder stehen Fotos oder irgendwelche anderen Erinnerungsstücke, nichts, was auf die Persönlichkeit von Christian Troy schließen läßt...

Ja, zum Vorzeigen ist diese Wohnung ideal, aber so richtig wohnlich? Nicht wirklich.
Naja, er muß ja wissen, ob er sich hier wohlfühlt, aber so recht vorstellen kann ich mir das nicht.


Oh, da liegt ja eine Zeitung. Na, mal sehen, was die Welt so treibt –oder auch nicht, wie man’s nimmt.


Montag, der...


MONTAG???!!!


Nee, oder? Das kann doch nicht sein!!! Wie lange bin ich eigentlich schon hier??? Ich hab doch nicht... einen ganzen Tag verschl-... nee, das-... also... Ach, du Scheiße!!!


10-02-2005 17:47 Chris is offline Send an Email to Chris Homepage of Chris Search for Posts by Chris Add Chris to your Buddy List Add Chris to your Contact List

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Kapitel 13


Christina


Oh Gott, Montag... das bedeutet Wochenanfang, früh aufstehen und.... aaargh, ARBEIT!! Ich muß sofort-...!!


Wie eine Bekloppte rase ich zurück ins Schlafzimmer und ignoriere den plötzlichen Schwindel, der dabei in mir aufkommt. Ich ziehe mich so hektisch an, daß ich beinahe das Kleid in Stücke reiße. Ich würd mich ja gerne noch schminken, ausführlich meine Haare machen und einfach alles tun, damit ich wenigstens einigermaßen annehmbar aussehe, aber... dafür hab ich einfach keine Zeit!


Kaffee kann ich auch vergessen, naja, werde ich mir halt auf dem Weg einen besorgen. Wo zum Teufel ist meine Handtasche???

Ich renne vom Schlafzimmer zurück in die Küche, ins Wohnzimmer, in die Diele und sogar ins Badezimmer, aber das verdammte Ding läßt sich nirgends blicken!


Als ich gerade wenig anmutig dabei bin, im Wohnzimmer vor der Couch herumzukriechen und verzweifelt versuche, meine Tasche darunter zu erspähen, höre ich plötzlich das Geräusch eines Schlüssels, der in der Wohnungstür herumgedreht wird.


Und gleich darauf eine mir sehr bekannte Stimme: „Was zum Teufel machst du da???“


„Christian! Äh, ich-... ich such meine... ähm, meine Handtasche“, stottere ich und streiche mir verlegen meine immernoch feuchten Haare aus dem Gesicht. Der Kerl hat aber auch ein Talent dafür, mich in den unvorteilhaftesten Situationen zu erwischen!


„Und warum suchst du sie ausgerechnet unter meiner Couch?“, fragt er und grinst auf mich herunter.


„Weil ich sie nirgendswo anders gefunden hab?“, gebe ich patzig zurück und rapple mich auf. Ist ja nicht unbedingt nötig, daß er jetzt die ganze Zeit freie Sicht auf meinen Hintern hat, oder?


„Hm, du weißt nicht zufällig, wo sie sein könnte?“, fragend sehe ich ihn an und wickle mir eine Haarsträhne um den Zeigefinger. Das ist ja schon nicht mehr normal... kaum sehe ich für zwei Sekunden in diese Augen, schon hab ich Knie wie Wackelpudding...


Er überlegt einen Moment. „Das letzte Mal hab ich sie im Schlafzimmer liegen sehen. Vielleicht ist sie unter’s Bett gerutscht.“


„Oh, dann muß ich da gleich mal nachsehen...“


Ich will loslaufen, aber er hält mich am Arm zurück. „Hey, immer langsam! Warum brauchst du sie überhaupt so dringend?“


Was? Meint er das jetzt ernst? Verständnislos sehe ich ihn an. „Na, warum wohl? Es ist Montag, ich muß sofort los, arbeiten!“


„Oh nein, du gehst nirgendwo hin“, widerspricht er mir energisch, legt mir seine Hände auf die Schultern und drückt mich auf die Couch.


„Wie bitte? Nur, weil du es offensichtlich nicht für nötig hältst, bei deiner Arbeit zu erscheinen, kannst du doch nicht erwarten, daß ich das auch tue!“


Ups, das ist mir jetzt einfach so rausgerutscht! Irgendwie hatte ich auf einmal wieder diesen Telefonanruf von Dr. McNamara im Ohr... oh je...


„Was redest du denn da?“, fragt er etwas irritiert und setzt sich neben mich. „Hab ich irgendwas nicht mitgekriegt?“


„Wenn du so willst, ja... dein Partner hat vorhin angerufen und mich sozusagen zur Sau gemacht, weil du anscheinend nicht zu einer OP erschienen bist. Mir ist schon klar, daß das nicht unbedingt gegen mich persönlich gerichtet war, aber lustig fand ich’s trotzdem nicht. Es ist nicht unbedingt schön, wenn das erste, was du morgens hörst, ein Fremder ist, der dich am Telefon anbrüllt.“


Na immerhin macht er ein einigermaßen betretenes Gesicht. „Tut mir leid, daß du das abgekriegt hast. Sean kann manchmal etwas... überreagieren.“


„Hab ich gemerkt. Allerdings... naja, ich hab da wahrscheinlich eh nichts mitzureden, aber in gewisser Weise kann ich ihn verstehen. Ich wär auch sauer.“


Was er mir sonst noch so über dich erzählt hat, behalte ich lieber für mich. Naja, kann auch daran liegen, daß ich es selber lieber nicht glauben möchte. Davon wird’s zwar wahrscheinlich auch nicht weniger wahr, wenn’s denn stimmt, aber naja... ich denk da jetzt besser nicht so genau drüber nach, dann krieg ich nur gleich wieder Kopfschmerzen.


„Außerdem hast du mir auf dem Zettel geschrieben, du müßtest zur Arbeit. Also, warum bist du wieder hier?“


„Deinetwegen“, sagt er einfach und wirft mich damit völlig aus der Bahn! Meinetwegen? Och... Aber die Gefühlsaufwallung hält nicht lange an.


„Meinetwegen? Jetzt erzähl mir nicht, du hättest es vor Sehnsucht nach mir nicht ausgehalten, das nehm ich dir nämlich nicht ab.“


Christian lacht. „Nein, so war’s nicht, obwohl ich nicht verstehe, warum du den Gedanken so abwegig findest“, grinst er.


„Haha!“


„Jaja, schon gut. Ich war wirklich schon auf dem Weg zur Praxis, aber während ich im Auto saß, kam mir auf einmal der Gedanke, daß aufwachen und merken könntest, daß bereits Montag ist. Und daß dich das zu irgendwelchen Dummheiten verleiten würde.“


„Ach, so gut kennst du mich also schon?“, ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Was für Dummheiten überhaupt?“


„Genau das, was du eben getan hast, als ich gekommen bin. Völlig übersturzt losziehen zu wollen. Und das solltest du in deinem Zustand lieber-...“


„Was für ein Zustand bitte?“ Wenn er so weitermacht, versteh ich irgendwann nur noch Bahnhof!


„Ich denke, du hast dir bei deinem Zusammenstoß mit der Tür eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Es ist nicht allzu schlimm, aber doch ernster, als ich zuerst dachte. Auf jeden Fall solltest du dich noch ein paar Tage schonen und vor allem nicht arbeiten.“


„Gehirnerschütterung?? Oh nein... das hat mir gerade noch gefehlt! Naja, ich muß aber zugeben, daß mir gerade schon ziemlich schwindelig war, als ich so durch die Wohnung gehetzt bin...“


„Da siehst du, wie richtig es war, daß ich zurückgekommen bin. Wer weiß, was du noch für einen Unsinn angestellt hättest.“


„So einen Unsinn, wie zur Arbeit gehen? Jaja, ich hör ja schon auf. Wahrscheinlich hast du recht. So richtig fit fühle ich mich nicht unbedingt.“


„Gut, dann hätten wir das ja geklärt“, lächelt er. „Brauchst du einen Attest oder etwas ähnliches, für deinen Boss?“


„Den könnte ich dann gleich bei mir selbst abgeben. Ich bin mein eigener Boss, also wird das nicht nötig sein. Aber ich sollte Will Bescheid sagen, nicht, daß er sich unnötig Sorgen macht, weil er nichts von mir hört.“


„Arbeitet ihr zusammen?“


„Wahrscheinlich würden wir sogar zusammen wohnen, wenn wir uns nicht, trotz aller Liebe, manchmal tierisch auf die Nerven gehen würden. Und das beruht auf Gegenseitigkeit, auch wenn ich mir meistens keiner Schuld bewußt bin“, ich grinse ihn unschuldig an.


„Aha, du bist also ein kleiner Engel... schade, so tugendhaft hab ich dich gar nicht eingeschätzt.“


„Wohl eher ein gefallener Engel“, erwidere ich, ganz ohne rot zu werden. Welch ein Wunder!


„Das klingt schon viel besser...“, Christian legt mir einen Arm um die Schultern und sieht mir in die Augen.


Huch! Plötzlich ist er mir ja so nah! So war das aber nicht geplant... nicht, daß ich jetzt unbedingt was dagegen hätte, aber... Oh Gott!


Hab ich schonmal diese Wahnsinns-Augen erwähnt??? Und er riecht sooo gut... wow... und dann noch diese unglaublich sinnlichen Lippen, direkt vor meiner Nase... das ist ja schon fast zu viel der Verführung! Wer könnte da noch widerstehen? Oh Mann... it’s gettin‘ hot in here! Oder geht das nur mir so? Mein Pulsschlag ist schätzungsweise auf hundertachtzig! Hilfe, bestimmt werde ich gleich ohnmächtig! Kann schon mal jemand die Sanitäter rufen? Obwohl, ist ja eigentlich gar nicht nötig, Dr. Troy hier könnte mich ja auch gleich selber wiederbeleben...


Ohje, was für einen Schwachsinn ich hier wieder zusammendenke! Wie kann ein einzelner Mann aber auch so verdammt sexy sein? Das ist doch nicht mehr normal! Wenn allein sein Blick mich schon so verrückt macht, wie muß dann erst-...


„Äh...“


Ja bravo, Christina! Du hast echt ein super Talent dazu, Stimmungen zu zerstören! Idiotin!!!


Im Gegenteil, ich würde das sehr klug nennen...

Oh nein, nicht du schon wieder! Auch das noch... hau sofort ab!

Nicht doch... wo du doch gerade so schön dabei bist, mir in die Hände zu spielen.

Freu dich bloß nicht zu früh! Das kann sich sehr schnell ändern!


„Ja?“, ein fragender Blick aus blaugrünen Augen trifft Meine.


Oh, scheiße... ja, was denn? Wollte ich irgendwas sagen? Eigentlich nicht... aber uneigentlich doch, oder was? Hilfe!! Jetzt laß dir bloß was einfallen, aber pronto!


„Ich... also... ich muß dich mal was fragen... ich... warum? Warum hast du das alles eigentlich für mich getan? Wir kennen uns doch kaum.“


Puh... gerade noch die Kurve gekriegt! Auch wenn ich mir absolut keinen schlechteren Zeitpunkt für diese Frage aussuchen konnte, interessant ist sie ja doch, irgendwie...


„Ganz ehrlich? Ich weiß es auch nicht. Ist eigentlich gar nicht meine Art...“, sagt er ein wenig nachdenklich und fährt mit dem Zeigefinger über meine nackte Schulter.


„Aber... du mußt doch“, Hilfe! Gänsehautalarm! „Du mußt doch einen Grund gehabt haben, ich meine... also, so ohne Grund, das geht doch nicht, und-... und überhaupt... was hast du... und ich-... ich rede gerade völligen Unsinn, oder?“


„Ja.“


Mach ruhig weiter, je blöder, desto besser!

Vielen Dank für die Unterstützung! Ich werde mich bei Gelegenheit revanchieren!

Kein Problem, das mach ich doch gerne. Freut mich doch immer, wenn ich helfen kann.

Würdest du jetzt endlich-...?


„Scht.“ Oh Gott, nein... irgendwann mußte das ja passieren! Jetzt hab ich das doch tatsächlich laut-...


„Was?“


„Nicht du... ich hab nur gerade... ähm, laut gedacht. Jetzt hältst du mich wahrscheinlich für völlig verrückt, wenn du das nicht sowieso schon tust und-...“


„Tu ich nicht.“


„Nicht? Da bin ich aber beruhigt. Ich an deiner Stelle hätte mich schon längst in die Klapsmühle eingewiesen, aber okay... wenn du das nicht so siehst, umso besser.“


Sag mal, Christina, wieviel Scheiße willst du eigentlich noch von dir geben? Das kann doch nicht wahr sein! Da befindest du dich in den Armen des Traums deiner schlaflosen Nächte und hast nichts Besseres zu tun, als-...


„Sag mal, kann es sein, daß dich irgendwas beschäftigt?“, fragt Christian mit einem sanften Lächeln und zieht mich noch ein bißchen näher zu sich. „Oder liegt das an mir, daß du auf einmal so... verwirrt bist.“


Eingebildet sind wir wohl gar nicht, was? Naja, aber er liegt ja richtig. Und wie richtig!


„Ja“, platze ich heraus, noch bevor ich überhaupt weiß, wie mir geschieht. „Du bringst mich völlig durcheinander!“


Herzlichen Glückwunsch! Ich sollte es aufgeben, du bist einfach ein hoffnungsloser Fall!

Heißt das, ich werde dich jetzt für immer los? Nein, diese Hoffnung mache ich mir lieber nicht...


„Na, war das jetzt so schwer?“


Hä? „Was?“


„Es zuzugeben.“


„Nein, eigentlich nicht.“ Ich hatte ja auch keine Gelegenheit, großartig darüber nachzudenken, oder?


„Und da wir das jetzt geklärt haben...“


„Geklärt? Was denn geklärt? Ich wüßte nicht, was-... also, ich... muß aber noch sagen, daß-... also, ich... ähm...“ Der Kandidat erhält hundert Punkte für idiotisches Stammeln! „Naja, also, was ich eigentlich-...“


„Chris?“


„Ja?“ So hat er mich ja noch nie genannt...


Christian lächelt. „Halt die Klappe.“


Und bevor ich auch nur noch ein weiteres Wort herausbringen kann, küßt er mich schon.


10-02-2005 17:54 Chris is offline Send an Email to Chris Homepage of Chris Search for Posts by Chris Add Chris to your Buddy List Add Chris to your Contact List

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Kapitel 14


Christina


Ein Kuß... ein echter, richtiger Kuß!! Warme, unglaublich weiche Lippen auf meinen... die auch noch wissen, was sie zu tun haben... nicht zu fassen!!


Dazu starke Arme, die mich sanft festhalten und an einen die Wärme geradezu „ausstrahlenden“, muskulösen Oberkörper drücken... der helle Wahnsinn!!


Kann mich mal bitte jemand kneifen? Ich glaube, ich träume schon wieder...


Er löst sich von mir... das wäre dann der richtige Zeitpunkt, die Augen wieder zu öffnen... Aber ich will nicht. Ich habe Angst, ich könnte aufwachen und mit einem dämlich-entrückten Gesichtsausdruck an meinem Schreibtisch sitzen. Was mir dann wieder einmal einen reichlich zynischen Kommentar von Will einbringen würde...


„Hey, bist du eingeschlafen???“


Eingeschlafen??? Ich??? JETZT??? Das kann er doch nicht ernsthaft so meinen!!! Ruckartig reiße ich meine Augen auf und sehe ihn einigermaßen entrüstet an.


„Das glaubst du doch nicht wirklich!“


„Ehrlich gesagt, wäre das auch das erste Mal, das mir sowas passiert...“


„Ich schlafe doch nicht... ich- naja, ich koste eben den Augenblick aus“, ein verlegenes Grinsen erscheint mir jetzt irgendwie richtig.


„Ach so... irgendwie bist du schon komisch, weißt du das?“


Ach, verteilen wir jetzt wieder Komplimente? Wie nett...


„Wenn ich so komisch bin, wieso küßt du mich dann?“


„Ich... tja- also...“


Christian Troy weiß nicht, was er sagen soll!!! Ich glaube, ich erlebe hier gerade sowas wie das achte Weltwunder!! Am besten, ich rufe gleich mal die Leute vom Guiness-Buch an, oder wer sonst dafür zuständig ist...


„Naja, ist ja auch egal... Du könntest es allerdings nochmal machen.“


„Was?“


„Mich küssen“, erkläre ich mit einem unschuldigen Lächeln. „Damit ich weiß, daß ich mir das eben nicht nur eingebildet habe... und du dich davon überzeugen kannst, daß ich dabei nicht schlafe.“


„Wenn du mich schon so ausdrücklich darum bittest...“, sagt er gedehnt und ich merke, daß er sich das Grinsen verkneifen muß.


Jaja, als ob du dafür eine Einladung brauchen würdest... Das denke ich so bei mir, aber es ist auch der letzte klare Gedanke, zu dem ich noch fähig bin, bevor diese geballte Ladung Erotik sich wieder meinen Lippen nähert.


Jetzt bin ich mir auch endlich sicher, nicht wieder in einen meiner Tagträume verfallen zu sein. Das hier ist einfach zu... echt, zu überwältigend, um eine meiner schnöden Fantasien zu sein!


Und diesmal ist sein Kuß ein ganzes Stück leidenschaftlicher, fordernder... als wollte er tatsächlich verhindern, daß ich mittendrin einschlafe... als ob mir das jemals einfallen würde... es genügt ja schon, wenn er im Raum ist, ja eigentlich brauche ich nur an ihn zu denken, um alle meine Sinne auf hundertachtzig zu treiben!


Und endlich traue ich mich auch, meine Arme um seine Schultern zu schlingen und mich an diesem traumhaften, kraftvollen Männerkörper festzuhalten... das brauche ich auch, sonst würde ich vor lauter Wonne noch von der Couch plumpsen.


Entschlossen, mich völlig zu entspannen, auch wenn das ziemlich schwierig ist, wenn jede Faser deines Körpers vor Verlangen kribbelt, lasse ich mich in seine Arme fallen, die mich regelrecht an ihn pressen.


Ich öffne leicht meinen Mund und spüre seine Zunge, die sich sanft zwischen meine Zähne drängt.

Gott sei Dank ist er keiner von denen, die dir ihre Zunge einfach in den Hals stopfen und dort liegenlassen, nach dem Motto: hier hast du, sieh zu, was du damit anfängst!

Nein, er ist ganz anders... zärtlich, spielerisch, lockend... da bekommt man von ganz alleine Lust, mitzumachen.


Es ist wie ein neckisches Katz-und-Maus-Spiel, ein sinnlicher Tanz, ein... was weiß ich. Muß man denn für alles Worte finden? Ich muß ehrlich zugeben, für das hier habe ich keine...


Ich weiß, wie kitschig das klingt, aber ich bin Wachs in seinen Händen... oder auch Schweiß, mir ist so unfaßbar heiß, am liebsten würde ich mir sämtliche Klamotten vom Leib reißen. Oder möchte ich vielleicht eher, daß er das tut?


Noch küssen wir uns „nur“, und trotzdem fühlt sich das so sehr nach mehr an, viel mehr! Das halte ich ja fast nicht aus... ich fürchte, mir knallen gleich alle Sicherungen durch!


Tja, das kommt eben davon, wenn dein letztes Erlebnis, das auch nur im Entferntesten an eine „horizontale Begegnung“ herankommt, so lange her ist, daß die Menschen damals wahrscheinlich noch geglaubt haben, die Erde wäre eine Scheibe!


Ich meine, jahrelange (unfreiwillige) Abstinenz und dann plötzlich Christian... das ist ja wie Feuer auf trockenes Eis... wenn du nicht aufpaßt, kann es da passieren, daß du eins, zwei, drei, am Schmelzen bist und wenige Minuten später zu Schall und Rauch verdampfst...


Ach, was soll’s, wenigstens wäre das ein schöner Tod... und ich glaube, ich höre sowieso schon die Englein im Himmel singen. Mein Gott, ich hatte keine Ahnung, daß ich überhaupt noch so empfinden kann!

Obwohl... seit ich Christian kenne, hatte ich doch schon öfter mal das Gefühl, daß so etwas wie Verlangen noch existiert, beziehungsweise schrie es mir jedesmal von allen Seiten zu, sobald er in meine Nähe kam und das vom ersten Moment an.


Hmmm, irgendwie ist mir da doch –trotz allem- noch zu viel Abstand zwischen uns. Das muß man doch irgendwie ändern können...


Ich weiß nicht genau, wie, aber ich schaffe es, auf seinen Schoß zu klettern, ohne unsere „mündliche Verbindung“ zu unterbrechen. Er hat anscheinend auch nichts dagegen, denn irgendwo zwischen beschleunigtem Atem und leisen Knutschgeräuschen glaube ich, so etwas wie ein zustimmendes Murmeln herauszuhören.


Mutig, wie ich nun einmal bin (Haha! Normalerweise nicht, aber was die Liebe, oder auch nur einfache Geilheit nicht alles vermag...), lasse ich meine Hände auf Wanderschaft gehen, sein Jacket fassen und es ihm abstreifen. Vorsichtig, fast ehrfürchtig –Wahnsinn, ich darf diesen Mann anfassen, ich darf ihn wirklich anfassen!!!- fahre ich über seinen Oberkörper, fühle seine Muskeln und die Hitze seiner Haut durch den dünnen Stoff des Hemdes. Gott, was für ein Körper!! Da glaubt frau ja, geradewegs im Paradies gelandet zu sein!


Auch seine Hände sind nicht untätig, streicheln sanft und doch kräftig über meinen Rücken, meine Taille, meinen Bauch und meine nackten Oberschenkel, was bei mir eine Gänsehaut und ein wohliges Prickeln in meinem gesamten Körper auslöst.


Und die ganze Zeit küssen wir uns, auf eine Weise, daß mir beinahe die Luft wegbleibt! Nicht, weil er sie mir etwa „wegsaugen“ würde, sondern aus purer Überwältigung! Wow...


Als seine Lippen sich auf einmal von meinen lösen, will ich schon protestieren, doch dann berühren sie sanft meinen Hals, knabbern zärtlich daran und sein warmer Atem streicht wie eine Feder über meine Haut. Oohhh... ich glaube, ich verliere gleich auch noch mein letztes bißchen Verstand!


Ich neige den Kopf leicht zur Seite und gebe einen leisen, entzückten Seufzer von mir. Für einen Moment weiß ich nicht so recht, wohin mit meinen Händen, aber dann entscheide ich mich dafür, mit meinen Fingerspitzen seinen Nacken hinaufzustreicheln, die flaumigen Härchen dort zu berühren und meine Finger dann in seinem weichen, dichten Haar zu vergraben. Und da fühlen sie sich sehr wohl, das darf man mir mit gutem Gewissen glauben!


Plötzlich hört Christian auf, meinen Hals zu liebkosen, hebt den Kopf und sieht mir direkt ins Gesicht. In seinen blaugrünen Augen ist ein Ausdruck, den ich noch nie zuvor an ihm gesehen habe und der mir die Hitze bis in die Haarspitzen treibt! Trotzdem schaffe ich es irgendwie, seinem Blick standzuhalten, ihn zu erwidern. Allein die Intensität unseres Augenkontaktes steigert mein Verlangen nach ihm, wenn überhaupt möglich, noch. Ich habe das Gefühl, innerlich zu glühen!


Und ich spüre seine Erregung mehr als deutlich... Unser beider Atem geht tief und keuchend. Mit einemmal erscheint mir jede Lage Stoff zwischen uns störend und überflüssig. Ich will ihn spüren, Haut an Haut!


Während wir in einem erneuten, leidenschaftlichen Kuß versinken, taste ich blind nach seinem Hemd, ziehe es aus seiner Hose und beginne, es langsam aufzuknöpfen. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört, denn meine Hände zittern ein wenig. Ob nun aus Erwartung oder deshalb, weil ich ganz tief in meinem Inneren doch immernoch ein schüchterner Angsthase bin, das weiß ich auch nicht.


Nur eins weiß ich: nichts wird mich daran hindern, endlich das zu erleben, was ich mir schon so lange wünsche...


Rrring! Rrrring! Rrrrring...!


Oh nein!!!!!!!!


Mit einem enttäuschten Stöhnen fahren Christian und ich auseinander.


„Scheiße!“, entfährt es uns beiden wie aus einem Mund. Das nenne ich geistige Übereinstimmung!


Christian verdreht frustriert die Augen. „Das klingt ganz nach Sean. Er hatte schon immer ein perfektes Timing!“


„Oh ja, perfekt...“, murmele ich etwas geistesabwesend. Von Hundert auf Null in einer Sekunde, das erlebt man auch nicht alle Tage!


Also, dieses Klingeln kann dir schon den letzten Nerv rauben... kann allerdings auch sein, daß ich gerade überempfindlich reagiere... kann man mir aber, ehrlich gesagt, auch nicht verübeln!


„Sorry... ich würde das ja jetzt wirklich liebend gern ignorieren, aber...“, Christian schiebt mich von sich herunter und rennt ins Schlafzimmer, zum Telefon.


„Troy“, meldet er sich, bemüht, jegliche Erregung aus seiner Stimme zu vertreiben.


So richtig höre ich nicht zu, aber ein paar Fetzen, wie zum Beispiel „Sean... hey, ich versteh ja, daß du wütend bist, aber so redest du nicht mit mir!... war auf dem Weg... dringender Notfall... jaja, ich komme gleich...“ bekomme ich doch mit.


Als er kurz darauf zurückkommt, sehe ich in mit hochgezogenen Augenbrauen an.


„Notfall?“


Er zuckt nur mit den Schultern. „Was besseres ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen.“


„Klar, ich versteh schon... du hättest ja auch schlecht sagen können: ‚Sorry, aber ich kann jetzt nicht, weil ich gerade dabei bin, eine Ex-Patientin flachzulegen.‘“ Holla, die Waldfee! Mein Sarkasmus ist zurück!


„Ach, schade... darauf hätte ich gleich kommen sollen. Wär doch mal ne gute Ausrede gewesen“, er grinst mich an.


„Tja... blöd, wenn einem der Grips gerade in die Hose gerutscht ist, oder?“


„Ach was... deiner war auch nicht viel weiter oben, soweit ich das mitgekriegt habe“, erwidert er mit einem eindeutig zweideutigen Unterton.


„Hab ich das gesagt?“


Schweigen. Stumm sehen wir uns an, die Enttäuschung ist uns deutlich ins Gesicht geschrieben... okay, ich kann mein Gesicht natürlich nicht sehen, aber ich weiß, wie ich gucke!


Ich betrachte ihn und entwickle schon wieder Gefühle, die ich mir jetzt besser verkneifen sollte... Sein Haar ist verwuschelt und steht in alle Richtungen ab, sein leicht zerknittertes Hemd steht bis zum Bauchnabel offen und hängt ihm halb aus der Hose. Der Körper darunter springt mir geradezu ins Gesicht: die glatte, gebräunte Haut, die muskulöse Brust mit den feinen Haaren darauf, der flache Bauch...

Dazu noch dieser Blick... direkt in meine Augen. Mann, Christian, warum bist du nur so unverschämt sexy???


„Verdammt, ich will dich so sehr!“


„Ich dich doch auch!“


Erschrocken zucke ich zusammen, als er mir antwortet. „Huch! Hab ich das gerade etwa laut gesagt?“


„Scheint so... sonst hätte ich es wohl nicht gehört. Es sei denn, ich kann neuerdings Gedanken lesen“, er lächelt. „Aber hey... aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben...“


„Sicher.“ Ich erwidere sein Lächeln, obwohl mir eigentlich nicht unbedingt danach zumute ist. Das Leben ist manchmal so scheiß-ungerecht!


„Tja, ich muß dann wohl mal...“, seufzt er und stopft sein Hemd zurück in den Hosenbund.


Als seine Hände in Richtung Knöpfe wandern, springe ich auf. „Warte, nicht!“


Er sieht mich verständnislos an. „Bitte? Soll ich vielleicht so in der Praxis erscheinen? Dann darfst du gerne meinen Arsch darauf verwetten, daß ich einen Kopf kürzer zurückkomme.“


„Nein... das will ich natürlich nicht, so gerne ich diesen Anblick auch noch eine Weile genießen würde, der Preis wäre mir dann doch zu hoch“, grinse ich. „Nein... ich meinte, laß mich... bitte.“


„Ach so...“, irgendwie sieht er aus, als wüßte er nicht, was er jetzt von mir halten soll. „Warum? Kommen da jetzt vielleicht irgendwelche mütterlichen Gefühle bei dir hoch?“


„Mütterlich? Ganz und gar nicht...“, antworte ich und sehe mit einem anzüglichen Blick zu ihm auf, da ich jetzt direkt vor ihm stehe.


„Verstehe“, mit dem Lächeln, das ich jetzt ernte, könnte man Miami eine ganze Nacht lang beleuchten.


Eigentlich würde ich ja viel lieber in die andere Richtung knöpfen, aber was nimmt man nicht alles auf sich, um seinem Traummann noch ein paar Sekunden länger ganz nah zu sein? Außerdem kann ich so immer mal wieder, ganz beiläufig natürlich, seinen Körper ber-...


„Chris!“


Mh? „Ja?“


„So wird das nie was...“, seine Stimme klingt ein wenig rauh.


„Ich weiß...“ Nur zu gut... aber ich kann einfach nicht dagegen an.


Ein paar Minuten später ist er dann aber wundersamerweise doch wieder ordentlich angezogen, die Haare sind wieder an ihrem ursprünglichen Platz und alles sozusagen „Ready to go“.


Nur er nicht... das sehe ich ihm an der Nasenspitze an. Und ich auch nicht (ihn gehen zu lassen, versteht sich), nur mal nebenbei bemerkt.


An der Wohnungstür küssen wir uns noch ein letztes Mal, lange, leidenschaftlich und ausgiebig.


In meinem Kuß steckt eine Botschaft... so gerne ich damit „Geh nicht!“ sagen würde, ich weiß, daß das nicht geht. Also würd nur ein, dafür aber umso nachdrücklicheres „Wehe, du vergißt mich!“ daraus.


„Hör sofort auf damit“, sagt er leise, als wir uns voneinander lösen.


„Womit?“, frage ich, die Unschuld in Person.


„Mir den Verstand zu rauben... den brauche ich noch zum operieren“, er zwinkert mir zu.


„Dann laß dir was einfallen, wie du ihn wiederfindest“, entgegne ich lächelnd und küsse ihn wieder... diesmal aber wirklich zum allerletzten Mal.


Ich hätte es auch noch ein allerallerletztes Mal getan, aber bevor es dazu kommt, hat er sich verabschiedet.


Na toll... und was ist mit mir?, denke ich ernüchtert und starre verwirrt auf die geschlossene Wohnungstür. Mein ganzer Körper ist immernoch dermaßen voller Spannung, daß ich mir mühelos selbst einen elektrischen Schlag verpassen könnte, würde ich jetzt in eine gefüllte Badewanne steigen.


Was soll ich denn jetzt machen? (Also nicht, daß ich es sooo nötig hätte.... nööö, ich doch nicht... jaja, Einbildung ist auch ne Bildung!) Es mir durch die Rippen schwitzen???


Ich weiß ganz genau, mein Gewissen führt jetzt einen Freudentanz auf, wie ein irrer Springteufel! Wenigstens äußert es sich nicht mündlich, das hätte mir gerade noch gefehlt!


10-11-2005 08:40 Chris is offline Send an Email to Chris Homepage of Chris Search for Posts by Chris Add Chris to your Buddy List Add Chris to your Contact List

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Kapitel 15


Christian

„Was machst du denn da?“, raunt Sean mir während einer Konsultation am späten Nachmittag zu, als ich gerade dabei bin, meine Rotstiftverzierungen auf dem Patientenbogen zu machen.

„Ich arbeite.“

„Würdest du dir deine ‚Arbeit’ bitte nochmal ansehen?“

Ich tue es und kann nichts Merkwürdiges daran finden. „Was ist damit?“

„Sie möchte sich die Nase operieren lassen“, zischt Sean und mir fällt es wie Schuppen von den Augen. Ich habe die Striche an ihrem Bauch gemacht!

Während Sean sich mit einem sehr liebenswürdigen Lächeln wieder an unsere potenzielle Kundin wendet, korrigiere ich meinen Fehler. Daß mir sowas passieren muß! Und auch noch heute, wo Sean sowieso schon nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen ist. Shit!

Naja, der Fehler ist verzeihlich, viel schlimmer wäre es gewesen, wenn sie schon auf dem OP-Tisch gelegen hätte und wir statt ihrer Nase ihren Bauch operiert hätten. Das hätte wirklich Ärger gegeben. Trotzdem. Es ärgert mich, daß mir so eine Nachlässigkeit unterlaufen ist. Irgendwie bin ich heute nicht bei der Sache, ich weiß nichtmal mehr, wie die Frau heißt, die uns da gegenüber sitzt. Am besten, ich überlasse Sean den Rest, bevor ich sie noch falsch anspreche …

Was lenkt mich nur ständig ab? Und warum habe ich die Markierung ausgerechnet auf dem Bauch platziert, der liegt nun wirklich nicht besonders nahe an der Nase! Ist es am Ende etwa deshalb, weil wir Christina damals-… ach, Unsinn! Warum sollte ich ausgerechnet daran denken? Oder denke ich bloß an sie? Was sie wohl gerade macht? Ob sie nachhause gegangen ist? Vielleicht liegt sie in der Badewanne … -

„Christian!“

Hm? „Was!“

„Miss Perez ist jetzt weg! Du hättest sie wenigstens verabschieden können!“

Tatsächlich. Bis auf uns beide ist der Raum leer.

„Oh.“

„Oh? Mehr fällt dir dazu nicht ein?“, Sean wedelt demonstrativ mit der Hand vor meinem Gesicht herum. „Bist du überhaupt anwesend?“

„Nein, ich liege am Strand und lasse mir von einer exotischen Schönheit den Rücken massieren!“, antworte ich ironisch. „Natürlich bin ich hier, wo denn sonst?“

„Körperlich, ja. Was das Geistige angeht, bin ich mir da nicht so sicher.“

„Danke, Sean, sehr freundlich.“

„Ist doch wahr. Wenn man’s genau nimmt, hab ich heute noch nicht ein vernünftiges Wort aus dir herausgekriegt.“

Das geht auch so weiter, als wir zur Küche hinübergehen und ich mir einen Kaffee mache. Aus Sean’s Mund kommt nichts Anderes als Vorwürfe.

„Ich weiß wirklich nicht, was mit dir los ist, Christian! Erst tauchst du hier auf, wann es dir gerade beliebt und dann bist du mit deinen Gedanken sonstwo! Ist dir mal in den Sinn gekommen, daß wir hier sind, um unser Geld zu verdienen? Mit dieser Einstellung wird das mit Sicherheit nichts!“

„Wahrscheinlich hat er ein besonders heißes Wochenende hinter sich und das Blut ist noch nicht wieder in seinen Kopf zurückgekehrt“, kommt es plötzlich von Liz, die gerade den Raum betreten und Sean’s letzte Tirade mit angehört hat.

Haha. Heißes Wochenende. Natürlich. Ich treffe ganz zufällig eine Ex-Patientin, die mich braucht, um ein nervendes Anhängsel zu vergraulen, leicht schusselig und noch dazu irgendwie verrückt ist, gegen eine Tür läuft und sich dabei eine Gehirnerschütterung holt, worauf ich sie verarzten darf und die dann den gesamten Sonntag in meinem Bett verpennt. Und als es dann endlich doch noch interessant wird, kommt Sean angeklingelt und macht auch das noch zunichte. Ja, wirklich ein sehr heißes Wochenende! Aber trotzdem … unvergeßlich war es auf jeden Fall, ob auf positive oder negative Weise, sei dahingestellt.

„Siehst du, was ich meine?“, höre ich wieder Sean’s Stimme, der sich an Liz gewandt hat. „Da ist schon wieder dieser abwesende Gesichtsausdruck. Und so geht das schon den ganzen Tag.“

„Ja, ich seh’s deutlich. Dann frag ihn doch mal, wie er sein Wochenende verbracht hat. Wahrscheinlich kommt eine ganz besonders haarsträubende Geschichte heraus.“

Wenn ich ihm das erzähle, bringt er mich endgültig um. Nein danke. „Der Gentleman genießt und schweigt“, bringe ich die uralte Floskel an, die Männer schon seit Jahrhunderten benutzen, um nichts sagen zu müssen und versuche, möglichst überzeugend zu grinsen.

„Na, alleine warst du jedenfalls nicht“, stellt Sean fest und klingt dabei erschreckend sicher. „Nach der weiblichen Stimme am Telefon zu urteilen, als ich heute morgen versucht habe, dich zu erreichen.“

Ach, du Scheiße! Er hat mit ihr gesprochen? Das wird ja immer besser … „Na, wenn du sowieso schon alles weißt, wieso fragst du mich dann überhaupt? Wahrscheinlich wirst du mir gleich auch noch ihren Namen verraten.“

So, mal sehen, was er darauf zu erwidern hat. Wieviel er überhaupt weiß. Hoffentlich nicht genug.

„Den hat sie mir nicht verraten. Würde mich überraschen, wenn sie ihn überhaupt selbst buchstabieren könnte. Warum gibst du dich nur immer wieder mit solchen Frauen ab?“

„Hey, Beleidigungen sind nicht nötig, okay?“, aus irgendeinem Grund wurmt es mich, daß er so von ihr spricht. Mal ganz abgesehen davon, daß er völlig falsch liegt. Sie ist mitnichten wie die Frauen, mit denen ich mich sonst abgebe. Wenn er wüßte … „Was soll das überhaupt heißen, ‚solche Frauen’?“

„Na, was schon? Laß mich raten … sie ist blond“, Falsch!, „Klein“, Falsch! „D-Körbchen“, Falsch! „Und ihr Wortschatz beschränkt sich darauf, ‚Nimm mich’ zu hauchen.“ Und wieder falsch! Sehr falsch sogar! Tja, Sean, du kennst mich wohl doch nicht so gut, wie du meinst.

Anscheinend deutet er mein augenblickliches Schweigen als Zustimmung, denn er verdreht die Augen und macht eine unmißverständliche Geste, nach dem Motto: Ich hab’s ja gewußt!

„Ich denke, du wärst überrascht, mein Freund“, sage ich ungerührt. „Naja, vielleicht lernt ihr beiden euch ja noch kennen“, füge ich dann noch hinzu, als mir wieder einfällt, daß ich sie ja zum Ärzteball eingeladen habe. Wo er dann feststellen wird, daß er sie schon kennt. Und dann flippt er aus!

„Kennenlernen? Darauf kann ich verzichten“, entgegnet Sean und seine Miene sagt deutlich, daß er es auch so meint. Er wird sich noch wundern!



Als ich dann sehr viel später zuhause ankomme, finde ich eine leere Wohnung vor. War ja vorauszusehen. Warum sollte sie den ganzen Tag hier herumhocken und auf mich warten? Außerdem ist sie sicher noch angeschlagen und da ist man sowieso lieber in seinen eigenen vier Wänden. Trotzdem irgendwie schade.

Naja, erstmal unter die Dusche, war ein langer Tag. Seufzend schließe ich die Augen, während das warme Wasser über meinen Körper läuft und meine angespannten Muskeln lockert. Als ich sie wieder öffne, bemerke ich auf einmal einen schemenhaften Schatten hinter der geschlossenen Duschkabine. Er bewegt sich. Das kann nicht sein! Ich bin alleine! Es wird am Ende doch nicht etwa … ein Einbrecher sein??!! Scheiße!!!

„Kann ich reinkommen?“, höre ich da eine leise Frauenstimme. Christina! Das ist völlig unmöglich! Sie war nicht hier, als ich nachhause kam, wie soll sie da rein- und ins Bad gekommen sein, ohne daß ich auch nur das kleinste bißchen davon gemerkt habe?

Ein wenig argwöhnisch ziehe ich die Schiebetür ein Stück auf und sehe hinaus. Da steht sie tatsächlich. Eingehüllt in einen dunkelblauen Bademantel – ist das nicht meiner? – unter dem ihre nackten Beine hervorgucken. Ihre Hände hat sie in den Taschen vergraben.

„Du.“

Mehr bringe ich nicht heraus. So ganz kann ich es immernoch nicht glauben.

„Hallo, Christian.“

„Ich dachte, du wärst gegangen. Wie-…?“

„Ich bin jetzt hier, das ist doch das einzige, was zählt“, unterbricht sie mich mit einem kleinen, verführerischen Lächeln.

Sie zieht die Hände aus den Taschen, löst den Gürtel und läßt den Mantel langsam zu Boden gleiten. Dann steht sie vor mir, vollkommen nackt und wunderschön. Ihre langen dunklen Haare fallen über ihren Oberkörper, bis zu den Ellenbogen. Einen – ausgiebigen – Moment lang betrachte ich sie, ihre sanften Kurven, die leicht gebräunte Haut, dann strecke ich die Hand aus.

Sie legt ihre hinein und läßt sich von mir in die Dusche ziehen. Ich lege meine Arme um ihre Taille und drücke sie sanft an mich. Als ich sie ansehe, hebt sie den Kopf und erwidert meinen Blick, in ihren großen, dunkelbraunen Augen ist ein herausfordernder Ausdruck. Ich streiche ein paar Haarsträhnen aus ihrem Gesicht, die das Wasser darübergespült hat und küsse sie. Sofort spüre ich die Hitze, die von ihren Lippen ausgeht und vertiefe den Kuß, lasse meine Hände über ihren Körper gleiten. Ihre Haut fühlt sich weich an und glatt von dem warmen Wasser, das über uns beide läuft. Ich merke, wie mein Körper auf sie reagiert, heftig reagiert. So etwas habe ich seit einer Ewigkeit nicht mehr erlebt.

Sie stöht leise auf, als meine Hand zwischen ihre Beine gleitet und sie sanft massiert. Auch mein Atem geht schneller und ich würde sie am liebsten sofort an die kühlen Fliesen pressen und sie ganz und gar spüren. Doch zum ersten Mal seit langem geht es mir nicht mehr nur um meine eigene Befriedigung und so halte ich mich noch zurück. Aber es fällt mir schwer. Schwerer, als ich mir hätte vorstellen können. Aus irgendeinem Grund ist mir die augenblickliche Nähe zu ihr noch nicht nah genug.

Ich fühle ihre Hände, die über meinen Hintern und meinen Rücken streicheln, zärtlich und doch fest. Sie knabbert vorsichtig an meinem Ohrläppchen, streicht mit ihren Lippen über meinen Hals und küßt meine Brust. Ich spüre es bis in die Zehenspitzen, als sie neckisch mit der Zunge über meine Brustwarze fährt. Sie scheint meine Reaktion bemerkt zu haben, denn als wir uns in die Augen sehen, grinst sie schelmisch. Wieder küssen wir uns lange und leidenschaftlich und ich habe das Gefühl, völlig in ihr zu versinken, in meinen Gefühlen zu ertrinken und nie wieder aufzutauchen …

Sex Bomb, Sex Bomb, you’re a Sex Bomb …

Was zum Teufel …? Wer singt da?

PUFF!!

Plötzlich finde ich mich an die Wand gelehnt wieder, den Kopf auf meinem Unterarm. Alleine. Und noch immer höre ich diese nervige Stimme, die nach wie vor dieses verdammte Lied vor sich hinsummt.

Christian, Christian … ich muß mich doch sehr wundern!
Du! Ich hätte es mir ja denken können. Was soll das?
Das könnte ich wohl eher dich fragen. Du bist hier schließlich derjenige, der ungeniert vor sich hin träumt.
Und was bitte ist so schlimm daran? Verdammt nochmal, du kannst einem aber auch alles verderben!

Erst jetzt realisiere ich, daß ich mir das alles eben nur eingebildet habe. Und diese Erkenntnis ist nicht sehr erfreulich …

Hast du dich eigentlich überhaupt noch nicht gefragt, was mit dir los ist?
Warum sollte ich?
Du denkst nur noch an sie! Ständig und immerzu. Du kriegst überhaupt nicht mehr mit, was um dich herum passiert.
Das ist doch überhaupt nicht wahr!
Ach, und was war das eben gerade? Oder den Rest des Tages? Hast du nicht gemerkt, daß so ziemlich alle sauer auf dich waren, weil du deine fünf Sinne nicht zusammenkriegen konntest?
Naja …
Wie gut, daß es mich gibt! Sonst wärst du wahrscheinlich noch über deine eigenen Füße gefallen, oder hättest deinen Wagen gegen eine Wand gefahren, so geistesabwesend wie du warst!
Eingebildet bist du wohl gar nicht … ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen.
Jaja, das merke ich …
Ach, laß mich in Ruhe!
Das kann ich leider nicht. Sonst würdest du diese Frau nie mehr aus deinem Kopf kriegen.
Wer sagt, daß ich das will?

Hab ich das gerade wirklich gedacht?

Oh Gott, ich habe es geahnt! Die Talfahrt hat bereits begonnen …
Sei ruhig, verdammt!
Unmöglich. Christian Troy, du verlierst dich se-…

„Halt die Klappe, du Nervensäge, halt endlich die Klappe!!!“

Noch während ich es rufe, wird mir klar, daß ich es wirklich laut tue! Ich werde noch wahnsinnig! Jetzt bin ich erst recht verwirrt, so sehr mein Gewissen mir auch auf den Geist geht, sind einige Sätze ziemlich fest in meinem Kopf hängengeblieben. Und zu allem Überfluß habe ich auch noch einen Ohrwurm von „Sex Bomb“ …


06-27-2006 03:44 Chris is offline Send an Email to Chris Homepage of Chris Search for Posts by Chris Add Chris to your Buddy List Add Chris to your Contact List

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